12.01.2014 Volcán Villarrica

18. January 2014

Meine erste Exkursion! Einen Tag zuvor erst angekommen, sollte ich die Gunst der Stunde nutzen und gleich am nächsten Tag, einem Sonntag, auf Pucóns Hauptattraktivität steigen, den Villarrica-Vulkan.

Mein allererstes Foto in Pucón. Rechts der Lago Villarrica und im Hintergrund der Volcán Villarrica, etwa 16km entfernt.

Wenn man in Pucón die Straße entlang geht, es ist fast egal, welche, sieht man Richtung Süden den schneebedeckten Vulkan, der alles andere in der Umgebung weit überragt. Pucón selbst ist flach und liegt direkt am Villarrica-See. In der näheren Umgebung gibt es einige mittelhohe Bergkettchen, und überall ist Grün. Nur der Vulkan, der ist unten grau, 2847m hoch und auf der oberen Hälfte mit Schnee bedeckt.

Es gibt in Pucón fast 40 (!) Reiseagenturen, ein großer Teil davon bietet Touren auf den Vulkan an. Pucón selbst hat übrigens 14.000 Einwohner. Aus diesen beiden Zahlen kann man in etwa ablesen, wie gut der Ort von Touristen besucht wird. Die Preise der Vulkantouren schwanken zwischen 35.000 chilenischen Pesos und 50.000 Pesos (60-80 EUR). Mein “Arbeitgeber” Sol y Nieve ist laut eigener Aussage die älteste Agentur und gehört zum oberen Ende des Angebots. Den Vulkan darf man nur dann ohne Führer besteigen, wenn man Mitglied eines Alpenvereins ist und die entsprechende Ausrüstung dabei hat. Entsprechende Ausrüstung heißt: Steigeisen, Pickel, Helm und geeignete Schuhe. Warme Sachen, Wasser und Essen sind selbstverständlich. Da die wenigsten Urlauber Steigeisen im Gepäck haben, gibt es wohl kaum Vulkanbesteiger, die auf eigene Faust aufbrechen. Zudem braucht man für die Zufahrt ein schotterpistentaugliches Fahrzeug.

Die Vulkanbesteigung, wie sie von praktisch allen Agenturen angeboten wird (der Unterschied liegt hauptsächlich in der Qualität der Ausrüstung und dem Umfang der Versicherung), läuft folgendermaßen ab: Man fährt von Pucón etwa 16km bis zum Fuß des Vulkans, davon 8km holprige Schotterpiste und vorbei am Eingang zum Villarrica-Nationalpark. Man läuft etwa 5min bis zum Anfang des Skilifts, der auch im Sommer in Betrieb ist. Der befindet sich auf etwa 1400m Höhe. Man kann dann entweder für 8000 Pesos (13 EUR) den Lift benutzen, oder man legt die 400 Höhenmeter zu Fuß zurück. Der Weg geht direkt unter dem Lift entlang und führt über sehr weichen, staubigen Untergrund. Etwas oberhalb des Lifts, auf 1800 m, ist im Moment die Schneegrenze. Nachdem man den Lift unter sich gelassen hat, läuft man also erst über einzelne Schneefelder und später über eine geschlossene Schneedecke, immer schön den Eispickel in der Hand. So läuft man dann über 1000 Höhenmeter, gegen Ende wird es noch einmal richtig steil. Oben angekommen, wirft man einen Blick in den Krater und macht sich dann, je nach Wind- und Rauchverhältnissen mehr oder weniger bald, mit einer Plastikschaufel unter dem Hintern wieder auf den Weg nach unten. Wenn man nicht besonders schnell oder besonders langsam war, ist man zwischen 3 und 4 wieder in Pucón.

Im Wesentlichen hab ich damit meine Erstbesteigung auch schon beschrieben.

Normalerweise besteht eine Besteigungseinheit aus bis zu sechs Personen, das heißt, pro Sechsergruppe ist ein Bergführer dabei. Bei größeren Gruppen kommt dann meist noch ein Assistent dazu. Eine bei uns typische Gruppe umfasst 10 oder 11 Teilnehmer und 2 Bergführer plus 1 Assistent. Diese Gruppe lässt sich dann unterwegs recht bequem aufteilen, so dass jeder ungefähr in seinem bevorzugten Tempo gehen kann.

Am Sonntag fand in Pucón der (ein) Ironman 70.3 statt, ein Spektakel, das ich mir eigentlich ansehen wollte. Die “70.3″ steht für 70,3 Meilen, die während dieses Triathlons zurück gelegt werden: Ein Halbmarathon, 1,9 km Schwimmen und über 50 km Fahrrad fahren. Alles auf Zeit, und: der Ironman 70.3 war früher unter dem Namen “Half Ironman” bekannt, ein “echter” Ironman ist also doppelt so lang. Gestartet ist das Rennen früh halb 8, als die Temperaturen noch erträglich waren. Der Erste hat übrigens etwa 4 Stunden gebraucht.

Das Rennen habe ich verpasst, aber es hat eben dazu geführt, dass sich zu den zwei Leuten, die sich für eine Besteigung am Sonntag bei uns angemeldet hatten, keine weiteren dazugesellten. Und so hatte ich eben die Gelegenheit, in einer Vierergruppe (zwei Teilnehmer + Bergführer Sergio + ich) auf den Vulkan zu steigen.

Ich musste früh um 6 aufstehen – wegen des Jetlags zum Glück noch kein Problem, obwohl ich wegen der langen Reise und dem Stress davor locker bis um 11 hätte schlafen können. Um 7 war ich im Büro von Sol y Nieve und habe in aller Ruhe meinen Rucksack fertig gepackt und die Schuhe, die mich den Vulkan hochbringen sollten, anprobiert. Meine eigenen steigeisenfesten Schuhe hatte ich wegen des begrenzten Fluggepäcks natürlich nicht dabei, und meine Trekkingschuhe sind für Steigeisen nur äußerst bedingt geeignet.

Ich schätze, gegen halb 8 kam Sergio mit den beiden Teilnehmern im Gepäck ins Büro. Wegen des Ironmans waren die Straßen der Innenstadt gesperrt, und deshalb mussten wir ein ganzes Stück bis zum Auto laufen. Die Zufahrt zum Vulkan war wie schon beschrieben sehr holprig. Der Geländewagen wurde höchstens im dritten Gang, selbst dort, wo die Steigung gar nicht so schlimm war. Auf dem Parkplatz am Villarrica waren wir das siebte oder achte Fahrzeug, die meisten anderen Gruppen brechen noch früher auf.

Da geht´s hoch, immer am Lift entlang, teilweise unterhalb der Seile.

Die ersten Minuten zum Lift liefen wir zügig, obwohl der Weg wie erwartet anstrengend war. Die Landschaft ringsum ist grün, aber der Villarrica besteht oberhalb von etwa 1000 Höhenmetern praktisch nur aus – Überraschung – Lava und Lavabrocken. Das lose Geröll ist nicht schwierig, aber energieraubend. Insbesondere an steilen Passagen sinkt man nach jedem ohnehin schon kleinen Schritt einen halben Schritt zurück. Am Lift berieten wir uns kurz und entschieden, die komplette Strecke zu laufen.

Nach den ersten zwanzig Minuten legten wir einen kurzen Halt ein, so dass ich meine völlig überflüssige Fleece-Jacke ausziehen und einen Schluck trinken konnte. Der weitere Weg den Lift entlang schien sich endlos zu ziehen, zum Glück überzeugten mich gelegentliche Blicke auf die immer tiefer zurück bleibende Talstation davon, dass wir dem oberen Ende tatsächlich näher kamen. Nach etwa einer Stunde hatten wir endlich die Bergstation erreicht und machten Rast. Wir waren nicht allein, einige andere Gruppen waren schon da, etwa 20 Personen. Auf dem kleinen Plateau der Bergstation waren Holzplanken als Bänke aufgestellt, angeblich gab es sogar eine Toilette. Allerdings hörte ich, wie ein andere Bergführer zu seinen Schützlingen meinte, dass selbst ein beliebiger größerer Felsbrocken hygienischer sei als diese Toilette. Egal, mir kam die Flüssigkeit bei der einsetzenden Hitze unter der prallen Sonne eh zu den Hautporen raus, und ich war viel zu beschäftigt, Essen und Wasser in mich hinein zu befördern, und nebenher noch die grandiose Aussicht zu genießen.

Blick zurueck. Am linken Bildrand ist der Lago Villarrica.

Kurz hinter der Bergstation kam das erste Schneefeld, das wir noch in wenigen Schritten querten. Je weiter wir kamen, umso größer wurden die Abstände zwischen den Geröllstellen, bis wir irgendwann fast nur noch auf Schnee gingen. Die Steigeisen brauchten wir nicht, aber der Pickel war ganz hilfreich. Vor uns waren mehrere Gruppen unterwegs, immer wieder liefen wir auf eine Gruppe auf, die langsamer war als wir. Nach einigen Schritten haben uns aber immer alle vorbei gelassen, so dass wir doch recht zügig vorankamen. In der Ferne, im Nordosten tauchte über dem Dunstschleier ein anderer riesiger Vulkan auf, der Llaima. Überhaupt wurde die Aussicht mit zunehmender Höhe immer besser. Man sah die relativ ebene Landschaft, aus der abrupt immer wieder scharfkantige, grüne Bergketten aufragten. Zwischendrin lagen immer wieder himmelblaue Seen.

Wieder der Lago Villarrica im Hintergrund, Richtung Norden. Im Vordergrund scharfkantiges Vulkangestein, zum Glück hatten wir ja die Hosen dabei, die wir als Unterlage nutzen konnten. Man sieht ausserdem die graubraunen Lavaströme, die sich durch die grünen Wälder am Fuße des Vulkans schlängeln.

Der Weg nach oben ließ sich nicht verfehlen, im Schnee vor uns lag eine deutliche Spur. Man brauchte nur den kleinen Tritten folgen und konnte fast wie auf eine Treppe nach oben steigen. Überhaupt lief es sich auf dem Schnee deutlich angenehmer als auf dem blöden Geröll. Wir machten unterwegs noch zwei oder dreimal Rast, das letzte Mal kurz bevor die Steigung nochmal drastisch zunimmt und man die letzten Kraftreserven zusammenkratzen muss. Während dieser letzten Rast kamen noch einige merkwürdige Grüppchen an uns vorbei: Ein paar, bei dem Sie schon kurz vor dem Zusammenbrechen war, er hatte ihren Rucksack auf seinen gepackt und trotzdem ließ sie sich alle paar Dutzend Meter unelegant in den Schnee fallen. Bei einem anderen Paar hatte Sie sich gehörig die Schultern verbrannt – der gesamte Nackenbereich war feuerrot, und das über eine Stunde, bevor die Sonne ihren Zenit erreicht haben würde.

Übrigens bin ich auch nicht ganz unbeschadet geblieben. Ich hatte mir am Vortag noch neue Sonnencreme gekauft und mich am Morgen gründlich eingecremt. Irgendwo in der Mitte der Strecke habe ich die Sonnencreme auch nochmal aufgefrischt. Ich dachte dabei hauptsächlich daran, dass ich aus dem dunkelgrauen deutschen Winter direkt in den chilenischen Hochsommer gekommen war. Die 39° südlicher Breite und die Höhenlage hatte ich gar nicht weiter berücksichtigt. Auf jeden Fall hat die Eincremerei geholfen – bis auf drei Stellen. Die eine waren die Hände, die ich nicht so gründlich eingecremt hatte. Wann hat man schon Sonnenbrand auf den Händen… Aber das hielt sich in Grenzen. Den Nasenrücken hatte ich aus böser Erfahrung besonders dick eingecremt. Und mir prompt die Nasenflügel verbrannt, weil ich mir zwischendrin mehrmals die Nase geputzt hatte. Das Schlimmste jedoch war meine Stirn. Natürlich hab ich die eingecremt, und zwar genau bis zum Rand meines Kopftuchs. Das ist aber dummerweise während des Aufstiegs etwas nach hinten verrutscht. Die letzten Tage zierte meine Stirn daher ein etwa fingerbreiter feuerroter Streifen, der sich am Haaransatz entlang von einem Ohr zum anderen zieht. Mittlerweile leuchtet der Streifen nicht mehr ganz so rot, und die verbrannte Haut schält sich langsam ab. Auf dem Gipfel hatte ich das Kopftuch zum Glück neu gebunden, sonst hätte auf diese Stelle die Mittagssonne während des gesamten Abstiegs geschienen…

Das letzte Stück vor dem Gipfel. Dutzende Gruppen sind mit uns zusammen unterwegs.

Zurück zum Vulkan. Das letzte Stück war tatsächlich irre steil, aber überraschenderweise gar nicht so schlimm zu steigen. Zum einen wussten wir ja, dass es steil würde, und stiegen bewusst etwas langsamer an. Zum anderen stießen wir hier immer wieder auf langsamere Gruppen, hinter denen wir erstmal kurz anhielten, bevor wir vorbeigingen – das verhilft nicht nur zu Atem, sondern steigert auch die Motivation. Am Rand des Kraters machten wir dann erstmal ausgedehnt Pause, aber schon nach fünf Minuten bin ich schon wieder mit der Kamera in der Hand den Krater entlang gehüpft. Die Rucksäcke ließen wir auf dem Gestein liegen, und wanderten dann zu viert auf dem Krater einmal um die Vulkanöffnung herum.

Am Rand des Kraters. Der Rauch steigt fast ununterbrochen auf.

Aus der anderen Richtung aufgenommen. Vom Rauch geschwärzter Schnee auf der südlichen Innenseite des Vulkans, rechts haben die anderen Gruppen ihren Rastplatz. Das Gelbe auf dem Gestein ist kein Moos, sondern Schwefel.

Sergio zeigte uns die besonders guten Aussichtspunkte und nannte uns die Namen der umliegenden Vulkane. Gemerkt habe ich mich nur den Osorno im Süden (leichter Name) und den Llaima im Norden (in der Richtung der einzige und besonders hoch). Wir bestaunten die gut sichtbaren Lavaströme und die Menschenmassen auf dem Gletscher am Nordrand des Kraters. Ich denke, die hundert haben wir an dem Tag geknackt. Für einen kurzen Moment habe ich mich gefragt, wieso der Gletscher an der Südflanke des Villarrica stärker ausgeprägt ist als an der Nordflanke. Irgendwann später in einem anderen Zusammenhang bin ich auf die Lösung gekommen: Die Sonne geht hier je verkehrt herum, von Osten über Norden(!) nach Westen. Zur Mittagszeit steht die Sonne also im Norden, und sie wandert links (!) herum. Dieser Umstand hat bei mir schon mehrfach zu Verwirrung geführt. Mehrheitlich in Situationen, in denen man gar nicht groß nachdenkt. Der Schatten wandert doch nach links, also setze ich mich an seinen linken Rand um möglichst lange im Schatten zu sitzen – und muss prompt fünf Minuten später meinen Sitzplatz verlagern, weil die Sonne hier nicht nur “falsch” herum läuft, sondern wegen der Breite auch noch schneller als bei uns. Am Seeufer denke ich noch, dass ich etwa noch eine halbe Stunde in der Sonne liegen werde, bis sie über dem See untergeht – um die Sonne keine zehn Minuten später in eine Bergflanke eintauchen zu sehen. Natürlich, mit etwas Nachdenken ist dieses Verhalten ja auch logisch. Aber weil es so selbstverständlich ist, denkt man eben nicht darüber nach.

Vom beschriebenen Plateau aus, der wohl tiefste Blick. Wir haben es etwa 20 Sekunden dort ausgehalten. Es geht einfach irre steil genau in dieses Loch rein. Ein kurzer, unachtsamer Moment genügt, und der kommt schnell. Und sei es nur, weil man sich instinktiv wegdreht, wenn einem vor Schmerz der Atem stockt.

Etwa so selbstverständlich wie eine andere alltägliche Kleinigkeit, auch wenn das etwas abseits des Themas ist. Auf der Toilette sitzend wirft man das benutzte Toilettenpapier – in die Toilette. wer denkt schon über diese winzig kleine Handbewegung nach? Ich jedenfalls so gut wie nie, und daher ertappe ich mich peinlich häufig dabei, wie ich das Papier in die Toilette werfe, statt in den dafür vorgesehenen Eimer. Manchmal sogar trotz Erinnerungsschild genau vor meiner Nase. Der Eimerwurf ist in etwa so irritierend, wie wenn man mit der linken Hand Zähne putzt…

Blick etwa Richtung Südwesten, über Seenlandschaft und mit dem Vulkan Choshuenco im Hintergrund.

Aber ich war eigentlich auf dem Krater. Der Blick vom Kraterrand in die Landschaft war natürlich großartig. Aber spannender war – natürlich – der Blick die Vulkanöffnung. Glühende Lava haben wir nicht gesehen, eigentlich nur nochmehr Rauch, also wir schon aus einigen Felsspalten aufsteigen gesehen haben. Der Villarrica ist einer der aktivsten Vulkane Chiles. Wobei aktiv nicht gleich aktiv ist. Seinen letzten Ausbruch, so richtig mit Lavaströmen und Todesopfern, hatte der Villarrica 1984, als er ein kleines Dorf an seinem Fuß verschüttete, das jetzt in sichererer Entfernung am Seeufer aufgebaut wurde. Aber trotzdem rumort es in seinem Inneren ständig und aus ihm steigt fast immer eine Rauchwolke.

Blick Richtung Norden. Etwa wo die Halbinsel in den Lago Villarrica ragt, liegt Pucón. Fern im Hintergrund der Llaima und rechts daneben die schneebestreute Bergkette des Vulkans Sollipulli.

Den Rauch haben wir auch während meiner Erstbesteigung. Manchmal ist er so stark und der Wind so ungünstig, dass man sich nur wenige Minuten am Gipfel aufhalten kann, wenn man überhaupt so weit kommt. Bei uns sind die Bedingungen aber gut und der Wind hält sich an seine Normalrichtung. Ab und zu erwischt uns mal eine kleine Böe, vor allem während wir auf einem vorgelagerten Plateau im Inneren des Kraters stehen. Dort ist die Rauchkonzentration höher als am Kraterrand. Mir kratzt der Hals und ich beginne langsam zu Husten, wenn eine Böe kommt, müssen wir alle die Luft anhalten, weil der Schwefel einfach zu stark in der Nase beißt.

Blick über das riesige Schneefeld auf der Südflanke. Der spitze Vulkan müsste der Puyehue sein.

Aber obwohl wir nur dem aufsteigenden Rauch entgegen schauen können, bin ich von dem tiefen und irgendwie schmalen Loch beeindruckt. Von den meisten Punkten auf dem Krater sieht das Innere aus wie eine tiefe Senke. Von diesem Plateau aus kann man deutlich tiefer sehen, hinunter zu diesem fast kreisrunden, geradezu winzig wirkenden Loch. Daraus sollen die ganzen Lavaströme gekommen sein? Der Kraterrand hat einen Durchmesser von 200m, der Durchmesser des Lochs hat vielleicht 20, 30 m – meine Schätzung. Wie gesagt, winzig, wie ein Schornstein im Vergleich zum ganzen Haus. Und genau so etwas ist der Vulkan ja in gewisser Weise.

Hinsetzen, Pickel bereithalten und losrutschen.

Nachdem wir die Runde um den Vulkan beendet haben, kommt der spaßige Teil unserer Tour: Die Abfahrt. Normalerweise hasse ich Abstiege, hier aber haben wir diese kleinen Plastikschaufeln dabei, auf denen wir den Schneehang hinabrutschen würden. Dafür haben wir auch den Rest der Ausrüstung mit: Warme Hose mit verstärktem Hosenboden, Gamaschen, Windjacke, zusätzlicher Lendenschurz. Mit dem Eispickel als Bremse geht es recht zügig in engen, von hunderten Bergrutschern vor uns tief eingegrabenen Rutschbahnen den Hang hinab. Am Anfang habe ich MÜhe, genügend Gewicht auf den Eispickel zu bringen um in kontrollierbarer Geschwindigkeit den Berg hinab zu rutschen. Später bremsen mich die engen, hauptsächlich von Männern befahrenen Kanäle eher aus – ich bleibe nicht wirklich stecken, muss aber mit dem Eispickel ein wenig nachhelfen. Aber mit der Zeit krieg ich den Dreh raus und habe noch eine ganze Menge Spaß. Bis etwa 500m über dem Parkplatz, wo der Schnee aufhört. Dort sammeln sich alle Gruppen, und alle verstauen ihre nun nassen Sachen im Rucksack und machen sich an den überaus staubigen restlichen Abstieg. Jetzt hat das weiche Geröll auch sein Gutes: Man kann große Schritte machen, die von der Gerölldecke schön abgefedert wird. Teilweise rutscht man auch hier noch eine halbe Schrittlänge weiter – in weniger als anderthalb Stunden ab dem Gipfel sind wir wieder am Parkplatz.

Die Rutschbahnen sind einige hundert Meter vom Aufstieg entfernt, um Kollisionen zu verhindern.

Für den Aufstieg hatten wir insgesamt ziemlich genau vier Stunden gebraucht. Das ist nicht Rekordzeit, nötigte bisher aber trotzdem allen Bergführern, die mich nach meiner Zeit gefragt haben, ein respektvolles Nicken ab. Vier Stunden sind schon gut, aber ohne Lift, das ist weit überdurchschnittlich… An dem Tag hatten wir überdies noch Murphys Glück. Weiter oben sind die Temperaturen zwar etwas kühler, aber letztendlich dürften es trotzdem so um die 20°C gewesen sein, wenn nicht mehr. So warm (auf fast 3000m!) ist es die nächsten Tage zwar auch gewesen, aber bei uns war es während der meisten Zeit windstill. Nur am Gipfel zog es ein bisschen und weiter unten, am Anfang des Aufstiegs, gab es ein laues Lüftchen.

Zwischen den Rutschbahnen muss man auch mal ein paar Schritte laufen. Dieses ist die letzte Abfahrt, ab jetzt muss wieder gelaufen werden.

Da wir nun wieder unten sind – ich habe dann meinen Bergsteigerrucksack ins Büro gebracht, meinen eigenen Rucksack geholt, mich schnell daheim geduscht und bin anschließend noch für ein oder zwei Stunden ins Büro. In der darauffolgenden Nacht habe ich sehr gut und lange geschlafen, zehn Stunden, zum Teil noch Überhang von der Reise. Geheilt bin ich aber nicht, ich habe mittlerweile (ein paar Tage später) schon ausgehandelt, dass ich noch einige Male als Tourbegleitung wieder mit hoch darf.

Letzter Blick zurück. Geschafft! Wir sind heil wieder unten angekommen.

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