Die Vorbereitungen

20. July 2013

Wie kommt man auf die Idee, eine Hundeschlittentour durch Lappland zu machen?
Ich weiß es ehrlich gesagt nicht genau. Ich stand in Alaska schon mal auf einem Hundeschlitten, für etwa eine Stunde. Ich war mal für etwa 10 Tage in Lappland, in der Region um Schwedens höchstem Berg, dem Kebnekaise. Und ich hatte den Drang, nach meiner Verteidigung einen coolen Urlaub zu machen, als Belohnung ruhig auch etwas teurer als ich normalerweise für eine Woche ausgeben würde. Und die Tour war teuer. Die günstigsten Anbieter liegen bei über 1500 Euro, die teuersten verlangen fast 4000 Euro für eine Woche. Der Unterschied liegt meist in der Gruppengröße – von 5 bis 8 Touristen – und der kulinarischen Verpflegung. Ich bin selbst nicht für meine Kochkünste bekannt, deshalb ist es vielleicht verständlich, dass ich nicht die teuerste Variante gewählt habe. Die Schwierigkeit bestand für mich eher darin, eine Tour zu finden, die mindestens eine Woche lang ist, kurz nach meiner Verteidigung beginnt – und im Dezember noch nicht ausgebucht war.

Bei naturetravels.com wurde ich dann fündig, die Buchung verlief reibungslos, und ich bekam meine Reiseunterlagen pünktlich Anfang Januar. Diese enthielten eine Packliste und einige Hinweise zu unseren Unterkünften. So würden wir in den meisten wohl keinen elektrischen Strom haben – während ich nicht vorhatte, mein Handy zu benutzen oder mir die Haare zu fönen, machte ich mir Sorgen, ob meine beiden Kameraakkus die Woche überstehen würden. Ich kaufte mir also einen externen Akku, über den ich meine Kamera wieder aufladen konnte. Eine gute Entscheidung, denn bei den Temperaturen und meiner Fotografierhäufigkeit hätte ich die Akkus spätestens am dritten Tag in die Knie gezwungen. Außerdem stand auf der Packliste der Hinweis, dass wir möglicherweise an manchen Unterkünften eine Sauna haben würden, und, je nach Gruppenentscheidung, manche vielleicht lieber Badesachen tragen möchten. Im Bikini in eine schwedische Sauna?? Nun ja, wer weiß, wer in meiner Gruppe ist, und ob ich überhaupt in die Sauna gehen möchte, also habe ich zur Sicherheit einen Bikini mit eingepackt.

Neben diesen eher privaten Hinweisen durften Hinweise zur Hundeschlittenkleidung nicht fehlen. Die Liste der warmen, zu packenden Sachen war lang und umfasste neben Wollhemden, Wollsocken, langen Unterhosen, warmen Pullovern und warmem Schlafanzug auch Wechselsachen für die Hütten und wasserdichte Hausschuhe. Ein Wort zu den Wollhemden: So etwa hatte ich nicht, hatte aber von verschiedenen Arktisreisenden gehört, dass Baumwollhemden oder gar synthetische Funktionsunterwäsche für die arktischen Temperaturen nicht geeignet sind. Also machte ich mich auf die Suche nach Wollunterhemden, die sich als schwieriger erwies, als gedacht. Neben einem erzgebirgischen Traditionshersteller habe ich 100%-ige Wollhemden nur bei Globetrotter finden können. Dort waren sie mit 50 Euro Sonderangebot etwas günstiger als besagtem Traditionalisten, also kaufte ich sie dort. Die Investition hat sich gelohnt, ich hab mein Hemd während der gesamten Woche praktisch nicht ausgezogen, außer in der Sauna. Aber dazu später mehr.

Neben einem warmen Schlafsack würden wir einen warmen Skioverall bekommen, ebenso Mütze, Überhandschuhe und warme Schuhe. Außerdem wurde empfohlen, neben Sonnenbrille und Sonnencreme auch eine Skibrille und eine Stirnlampe mitzunehmen. Die ersteren drei erschienen mir einleuchtend, ich hatte mir schon oft genug einen Sonnenbrand im Gesicht im Gebirge geholt; und den Wert der Skibrille habe ich beim Abfahrtskifahren in Österreich im Februar erfahren dürfen. Besonders bei schlechtem Wetter und Schneefall schützt die Skibrille nicht nur die Augen vor Wind, Schnee und Eis, sondern verbessert die Sicht erheblich. Die Stirnlampe sah ich eher als Notfallausrüstung an, falls wir mal nicht rechtzeitig vor Sonnenuntergang zur nächsten Hütte gelangen würden.

Nach dieser umfangreichen Packliste kam in den FAQ der Hinweis, dass wir auf dem Schlitten nur etwa 8-10 kg privates Gepäck mitnehmen dürften. Aber Duschen gibt es in den Hütten ohnehin nicht, da braucht man also auch nicht so viel Wechselwäsche.

Eine “Vorbereitung” sollte ich vielleicht noch erwähnen: Mein Flug sollte Mittwoch losgehen, am Montag Abend war ich noch ein letztes Mal langlaufen. Um mich noch ein wenig auf die Tour einzustimmen, ein letztes Mal vor dem Ende des Winters in Thüringen. Das Wetter war recht warm, tagsüber schmolz der Schnee auf dem Rennsteig, abends fror er wieder. Ich fuhr nach dem Feierabend los… und kam nach einem Sturz auf vereister Loipe mit einem angeschlagenen und einem gebrochenen Daumen zurück.

Die Reise ausfallen lassen kam nicht mal ansatzweise in Frage, mit den verbliebenen Fingern konnte ich ganz gut greifen, also nutzte ich die verbleibende Zeit, um schonmal zu üben ohne Daumen zurechtzukommen.

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