6. Oktober, 7:39, eigenes Bett im eigenen Studentenwohnheim

6. October 2011

Mein Plan ist schief gegangen. Nachdem ich gestern um 6 völlig erschöpft beschlossen hab, ein Stündchen zu schlafen, der Wecker dann nochmal zwei Stunden gebraucht hat, mich wieder aufzuerwecken und ich mich dann erfolgreich bis halb zwei Uhr nachts aufgehalten habe… bin ich trotzdem genau wie gestern um 6 Uhr morgens aufgewacht. Ich tippe, um diese Zeit ist eh noch niemand in der Uni, deshalb kann ich meinen gestrigen Tag ausführlichst beschreiben.

 

Tapas hat mich gegen halb 11 abgeholt und wir sind zusammen zu einem Geldautomaten und dann zu meinem Wohnheim gefahren. Weil ich gleich die Oktobermiete und die Kaution bezahlen wollte, brauchte ich etwas mehr Geld. Nach zwei fehlgeschlagenen Versuchen hat mir der Geldautomat auch so viel Geld gegeben, wie ich haben wollte… nämlich ein zwei Zentimeter dickes Bündel an 20-Dollar-Noten. Es gibt zwar 50 und 100 Dollar-Scheine, aber anscheinend haben die Alasker eine noch größere Abneigung gegen die großen Scheine als die Kontinentalstaatler. Vielleicht weil man 100er hauptsächlich in deutschen Banken bekommt, aber (ich zumindest) noch nie am Automaten. Die Schlüsselübergabe im Wohnheim klappte reibungslos; mein Zimmer ist nicht nur möbliert, sondern ich kriege auch Geschirr gestellt. Mein Zimmer ist geschätzt zehn Quadratmeter groß, hat einen eingebauten Wandschrank (fehlen bloß die Bügel…), eine riesige Kommode, ein Bett und einen Scheuklappenschreibtisch. Außerdem ein “triple-paned” Fenster, an dem sogar die Kurbel funktioniert. Im zweiten Stock ließe sich das Fenster auch nur schwer von außen zudrücken. Der zweite Stock ist in dem Wohnheim zugleich der oberste; insgesamt gibt es vier Wohnungen hier. In jeder Wohnung sind vier Studenten in Einzelzimmern untergebracht, die teilen sich einen Duschraum, einen Toilettenraum, zwei Waschbecken im Flur und einen riiiiiesigen Küchen- und Wohnbereich. Wer selbst mal schauen will, Fotos findet man hier: http://www.fairbanksstudenthousing.com/

Die Wohnung sieht tatsächlich so aus, wie auf den Bildern, nur voller. Insbesondere der Waschbeckenbereich ist mit Döschen und Tübchen vollgestellt. Naja, wohnen ja jetzt auch vier Frauen hier.

 

Anschließend sind wir zum Gebäude des Geophysical Institute gefahren, kurz GI. Das GI Fairbanks hat innerhalb der Uni eine Sonderstellung, weil es vor grob 50 Jahren direkt vom Kongress gegründet wurde und mit üppigen Geldern ausgestattet wurde. Das erklärt auch, warum der Campus Fairbanks der University of Alaska vergleichsweise stark auf Forschung – insbesondere auf Erforschung der Arktis und der Atmosphäre – ausgerichtet ist. In Fairbanks gibt es deutlich mehr Forscher pro Student als in Anchorage.

 

Gegen 12 kam dann mein neuer Betreuer für die nächsten anderthalb Monate ins Büro spaziert. Er hat mich sehr ausführlich in die wichtigsten Geheimnisse des Sonnenwindes und des Erdmagnetfeld eingeweiht. Ab ungefähr um 1 bin ich dann zunehmend müder geworden. Um drei habe ich meinen ersten wissenschaftlichen Vortrag über den Sonnenwind gehört (wohlgemerkt gehört, nicht verstanden…) und nach dem herbeigesehnten Ende um 5 habe ich mir den Shuttlebustracker zeigen lassen und habe mich auf den Weg nach Hause und ins Bett gemacht, mit bekanntem Ergebnis. Der Shuttlebustracker ist eine tolle Erfindung. Er zeigt an, wo sich die vier Campusshuttles des Uni gerade befinden, so dass man das Verlassen seines Büros genau auf die Ankunft des Busses abstimmen kann. Der Bus selbst ist ein kleines, hochbeiniges, blechernes Büschen, mit ca. 10 Sitzen und einem coolen Fahrer. Der mir dann gleich mal erzählt hat, dass Tapas eine Frau hat, die auch in Fairbanks gearbeitet hat und jetzt gerade in Frankreich ist. Den Shuttlebustracker kann man sich übrigens hier ansehen: http://facilities.alaska.edu/uaf/fsweb/shuttletracker.cfm. Das GI ist am linken Ende der linken roten Schleife; mein Wohnheim ist rechts unten auf der Karte außerhalb des braunen Bereichs knapp oberhalb der Schienen.

 

Die Schienen! Ursprünglich wollte ich bis Anchorage fliegen und dann mit dem Zug o.ä. bis Fairbanks fahren, bis ich festgestellt hab, dass der Zugverkehr Mitte September eingestellt wird. Die ganze Wahrheit kann das jedoch nicht sein, da sich heute morgen gegen 7 (und gestern auch, nur leiser) ein markerschütterndes Tuten durch mein Fenster gestohlen hat. Gefolgt von einem lang andauernden, langsamer werdenden Rumpeln. Einen Nachteil hat das Wohnheim also doch.

2 Kommentare zu '6. Oktober, 7:39, eigenes Bett im eigenen Studentenwohnheim'

  1. HaHa sagte am 6. October 2011 um 10:16 Uhr:

    Wow! Sehr gediegen… Ist es denn so sauber wie auf den Bildern? Und was ist ein Scheuklappenschreibtisch?!

  2. admin sagte am 6. October 2011 um 19:55 Uhr:

    Sauberkeit ist ok, lässt sich ertragen. Nur etwas gefüllter sind die Zimmer, mit einem DVD-Stapel, einem kleinen Fernseher, rumstehendem Geschirr, …
    Ein Scheuklappenschreibtisch ist ein ca. 1m breiter Tisch, dessen Aufsatz an beiden Seiten soweit hochgezogen ist, dass man im Sitzen nicht drüber schauen kann.

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