Für die einen ist es ein Wald…

17. October 2011

… for others it’s an unofficial garbage dump. Von wegen Alaskanier lieben ihre Umwelt. Wenn ich mir anschaue, wie verdreckt hier so manche Flüsse sind und was man hier so alles nur ein paar Meter abseits vom Weg findet… oder diese hübschen Pipelines, die so manche Gegend zieren… naja, wie überall liebt man die Natur wohl nur so lange, wie man sie nicht für was anderes braucht.

Manchmal hat es aber auch ein Gutes, wenn Leute ihren Müll in den Wald werfen. Nämlich genau dann, wenn dieser Müll ein funktionstüchtiges Fahrrad ist, das von mir gefunden wird. Dabei war ich eigentlich auf der Suche nach Polarlichtern und nicht nach Fahrrädern. Es ist bei Weitem kein Luxusrad, und ich würde dafür keinen Penny ausgeben. Aber es hat aufgepumpte Reifen, funktionierende Bremsen, und einen sitzbaren Sattel. Und nachdem ich mit diesem Gerät für etwa die gleiche Strecke, für die ich letzten Sonntag zu Fuß drei Stunden gebraucht habe, nur eine dreiviertel Stunde gebraucht habe — ist mir alles egal und ich würde es am liebsten mit ins Bett nehmen ;) Auf jeden Fall eröffnen sich damit ganz neue Möglichkeiten hier in Fairbanks. Zum Beispiel ist jetzt ein Tagesausflug zur Moschusochsenfarm möglich. Oder eine Entdeckungstour auf der anderen Seite des Campus, auf der auch die ganzen Ski Trails sind und der Schlittschuhlaufteich. Vor allem aber bin ich nicht mehr von Tapas und seinem Fahrstil abhängig, sondern kann auch mal ohne ihn einkaufen fahren.

Während meiner ersten eigenen Shoppingtour gestern Abend habe ich meinem neuen Vehikel auch gleich ein paar Lampen und ein Fahrradschloss besorgt. Nicht, dass irgend jemand dieses Fahrrad klauen wollen könnte. Aber falls doch, wäre es äußerst unangenehm, wenn es ausgerechnet ein paar Meilen von zu Hause entfernt passieren würde. Und auch noch dort, wo kein Bus vorbeifährt. Gekauft habe ich die Zutaten bei Walmart, nachdem die großartige Mall von Fairbanks schon 7 pm schließt, Walmart aber 24/7 geöffnet hat. Ich liiiiiebe Walmart. Mal von den ganzen praktischen Sachen abgesehen, die ich dort bekommen habe (Ich suche seit praktisch 10 Jahren eine vernünftige, preiswerte Jogginghose. Und seit zwei Jahren einen Ersatz für meine mittlerweile auseinanderfallende Handtasche. Bzw. jetzt eher: habe gesucht.) – der Kram war auch noch bezahlbar.

Der Haussupermarkt in Fairbanks, in dem jeder einkauft (vermutlich, weil es der einzige ist…), ist der Fred Meyer’s. Das Gebäude ist riiiiesig – nur eine Etage aber dafür weitläufig – und vollgestopft mit Fressalien. Die Auswahl mutet manchmal etwas merkwürdig an. Eines aber haben alle Sachen gemeinsam: Sie sind *****teuer. Von meinen letzten USA-Aufenthalten hatte ich noch in Erinnerung, dass Miete uä sehr teuer sind, dafür Essen und Fahrten lachhaft günstig. Hier ist die Miete bezahlbar, Autos sind günstig – aber Essen ist unglaublich teuer. Geschätzt dreimal so teuer wie in Deutschland. Und anders als in Schweden gilt das nicht nur für Obst und Gemüse, sondern für wirklich alles.
Mal zum Vergleich: Ich habe in Cambridge (bei Boston) für ein Bett in einem Doppelzimmer in einem Studentenwohnheim, das unmittelbar nach meiner Abreise renoviert (wohl eher grundsaniert) wurde, um die 500 Dollar bezahlt, kleine süße Haustierchen inklusive. Gut, verglichen mit Ratten sind Mäuse ja ganz niedlich, aber mit den Kakerlaken konnte ich mich nie anfreunden. Ein foot-long Subway hat genau 5 USD gekostet und ein Supermarkteinkauf, der mich durch eine Woche gebracht hat, war für 10-20 USD zu haben. Hier bezahle ich knappe 600 USD Miete für ein Einzelzimmer in einem neuen, super eingerichteten Studentenappartment in vergleichbarer Lage, also auch direkt neben dem Campus. Hier gibt es keine Klimaanlage nur im Gemeinschaftsraum, sondern eine funktionierende Fußbodenheizung überall. Der Lärmpegel ist vergleichbar. Das einzige, was in Cambridge besser war: es gab einen alten Flügel. Neben zwei Tischtennisplatten. Dafür kostet hier ein Wocheneinkauf mit dem Notwendigsten eben zwischen 40 und 60 USD.

Die Auswahl im Fred Meyer’s ist etwas gewöhnungsbedürftig. Soll heißen, bei meinem ersten Einkauf war ich heillos überfordert, die einfachsten Sachen auszuwählen. Ich habe dann z.B. aus diesem ganzen Regal Toastbrote (!) einfach das billigste genommen.

Nachdem ich vor Jahren schonmal “Rote Grütze” in einem New Yorker Supermarkt gefunden hatte, war ich vom Thüringer Apfelmus (“Hainich. Thüringer Art zu genießen”) nicht mehr sonderlich überrascht. Eher vom Preis, aber da Eierkuchen zu meinem mageren Kochrepertoire gehören und zu Eierkuchen nunmal Apfelmus gehört, blieb mir da nicht viel Spielraum. Kostenpunkt: 5,39 USD.
Zu Eierkuchen und auf Toastbrot gehört Butter. Kosten: 2,99 USD. Würstchen für die Tomatensoße zu den Nudeln (“Franks” – die haben aber mit den echten Wienern/Frankfurtern ungefähr soviel gemein wie Stahlwolle mit Seide, sprich sie haben einen sehr eigenwilligen Geschmack und eine Konsistenz wie vorgekaut): 1,79 USD. Die Nudeln habe ich dann auch noch vergessen und erst beim nächsten Mal gekauft: 3,39 USD/500 g. Eine Tüte Chips 0:) 2,81 USD. Und da missgönne mir noch jemand das Tagegeld!
Den kompletten Einkaufsbon gibt’s hier:

Da sieht man auch, dass mein Einkauf Tapas ein ganzes Stückchen näher an den 10-cent-per-gallon-Rabatt für den Monat Oktober gebracht hat. (Und ich sehe am neuen Einkaufszettel, dass Tapas in der Zwischenzeit für 37 USD eingekauft hat. Tolle Sache, so ein Überwachungs-RewardsPoints-System…) Ansonsten finde ich noch die Länge des Kassenzettels beeindruckend. Bei den Werberabatten auf der Rückseite ist jedoch für mich leider nichts dabei.

Eine Atmosphäre wie in der Lagerhalle – und unglaublich riesig. Dabei ist das nur der Fairbanks-Provinzialsupermarkt. Bei der Größe macht es auch nix, wenn man mal eben im laufenden Betrieb einen Bereich für ein paar Baumaßnahmen absperren muss.

PS: Meine mit Abstand coolste Entdeckung im Walmart sind Winterstiefel, die für -40 Grad ausgelegt sind, egal ob Fahrenheit oder Celsius, die sind da ungefähr gleich. Nie wieder kalte Füße!

Comments are closed.

Theme von BenediktRB • Powered by Wordpress • Abonniere den RSS Feed