16.01.2014 Parque Nacional Huerquehue

19. January 2014

Pucón liegt im ehemals IX. Verwaltungsbezirk Chiles, der jetzigen Región de la Araucanía. Araukarias oder zu deutsch Araukarien sind Bäume. Und zwar ganz besondere Bäume, denn sie kommen nur in Chile und Argentinien, und auch nur ungefähr in diesen Breiten (39°S) vor. Deshalb ist dieser Verwaltungsbezirk ja auch nach diesen Bäumen benannt. Außerdem sehen sie sehr speziell aus, ihren grob verzweigten Ästen wachsen die Blätter direkt am Holz, ähnlich wie bei Palmen, nur dass die Blätter deutlich kürzer, fast Stummel sind. Bei jungen Araukarien ist auch der gesamte Stamm mit diesen kurzen Stummelblättern bedeckt. Wird der Baum älter, verliert er von unten her seine Blätter, bis am Ende, nach über 1000 Jahren, bis zu 2m dicke astlose Stämme dastehen, die nur oben ein pilzförmiges Dach tragen.

Eine recht junge Araukarie. Wenn das mit den 5cm Wachstum pro Jahr stimmt, duerfte dieser Baum etwa 50 Jahre alt sein. Man sieht den dicht noch dicht beblaetterten oberen Stamm, und den blattlosen unteren Teil.

Unter anderem der Araukarie zu Ehren wurde der Huerquehue-Nationalpark gegründet. Genau genommen ging der Huerquehue aus einem anderen, deutlich größeren Nationalpark hervor, wie aus der offiziellen Karte des Nationalparks hervorgeht. Dieser Nationalpark ist einer von vielen in der Region, wurde mir aber als besonders schön empfohlen und ist von Pucón aus innerhalb einer Stunde mit dem Linienbus zu erreichen.

Am Donnerstag hatte ich meinen freien Tag, und den wollte ich gebührend feiern. Ursprünglich wollte ich eine der kostenlosen täglichen Stadtführungen mitmachen und den Nachmittag am Strand verfaulenzen. Aber dann war die Anziehungskraft des Nationalparks doch stärker und ich habe mich am Mittwoch genauer mit der Anfahrt zum Nationalpark beschäftigt. Meine Kollegen hatten mir schon ungefähr erklärt, wo der Bus abfährt, und dass man für den ersten von vieren eine halbe Stunde eher da sein sollte. Da der erste Bus Richtung Nationalpark 8:30 Uhr fährt und der nächste erst 13:00 Uhr, habe ich sicherheitshalber noch Mittwoch Abend den Busbahnhof gesucht und mich am Kiosk nach den Gegebenheiten erkundigt. Tatsächlich: “um 8 da sein, spätestens zehn nach 8″.

Auf dem Ñirrico.

Als ich zwei Minuten vor um 8 am nächsten Tag im Bus Platz nahm, war ich die erste. Der Fahrer hatte noch nicht mal die Anzeigetafel im Fenster ausgetauscht. Zehn nach 8 gab es noch Plätze, aber zehn vor halb 9 wurden die ersten Stehplätze eingenommen. Als wir kurz nach halb 9 losfuhren, war der Bus – dem Standard nach eher mit einem Fernbus vergleichbar – nach europäischen Maßstäben voll, im Gang standen etwa ein Dutzend Menschen. Unterwegs hielten wir mehrmals im Nirgendwo an um weitere Passagiere mitzunehmen. Bis zu den ersten Stationen, an denen Menschen ausstiegen, war der Bus auch nach chilenischen Maßstäben voll, so dicht gedrängt, dass wenigstens niemand umfallen konnte. Die Luft war zum Schneiden, aber immerhin, ich konnte sitzen.

Blick vom Ñirrico auf den Tinquilco-See.

Während der Wartezeit am Busbahnhof habe ich eingehend die Karte des Nationalparks studiert, die ich aus dem Büro mitgenommen hatte. Ich wusste also, dass ich einen ziemlichen langen und schweren Wanderweg vor mir hatte, und so war ich froh, dass ich mich während der guten Stunde Fahrt im Bus noch ausruhen konnte. Die Fahrt kostete hin und zurück 3600 Pesos, der Eintritt zum Nationalpark für Ausländer 4500 Pesos. Beides zusammen kostete also etwa 13 Euro.

Dieses Blümchen hat es mir angetan. Es war bis auf etwa 1500m anzutreffen, und bis dahin auch sehr häufig und in den verschiedensten Mustern am Wegrand.

Der Huerquehue hat fünf markierte Wanderrouten (“Senderos”, alle fünf sind auf der oben verlinkten Karte eingetragen). Eine macht eine große Schleife im nördlichen Teil des Parks und dauerte etwa zwei Tage. Die kam also nicht in Betracht. Dann gab es das andere Extrem, einen kurzen, knapp 1km langen Weg mit Informationstafeln, der in etwa einer halben Stunde zu gehen war. Die Route “Los Lagos” führte mit 3.5h für 9km recht entspannt ein wenig bergan und dann an drei größeren Bergseen vorbei. Die Bilder dazu sahen recht idyllisch aus, klares blaues Wasser vor sattem, hügeligem Grün, ein paar Wasserfälle sollten auch dabei sein. Der “Quinchol” war vom Schwierigkeitsgrad her ähnlich, nur führte die Schleife nach dem Zustieg nicht durch Seenlandschaft sondern durch Aukarienwald. Außerdem versprach er Aussicht auf die umliegenden Vulkane. Entschieden habe ich mich dann für den San Sebastian, ich musste ja meinen geplanten Strandaufenthalt wettmachen… Der Sendero San Sebastian führt vom Lago Tinquilco am Parkeingang auf 750m Höhe auf den 1950m hohen Berg San Sebastian, den zweithöchsten Punkt im Nationalpark und der höchste auf offiziellen Wegen erreichbare.

Noch auf dem Quinchol. Die Bergspitze hinter dem großen, breiten Bergrücken im Vordergrund ist mein Tagesziel. Die baumlose Ebene aus vertrocknetem Gras ist die Pampa Quinchol, über die ich gleich muss.

Um auf den Wanderweg zu kommen, muss man erst dem Quinchol folgen, von dort zweigt der San Sebastian ab. Deshalb war mir auch nicht ganz klar, ob die angegebenen 5h (eine Richtung) für die Strecke ab dem Quinchol galten (so vermutete ich im Bus) oder für den gesamten Anstieg (die Idee kam mir erst unterwegs nach etwa 1h Anstieg, ich konnte also nicht mehr am Parkeingang fragen).

Blick über die Pampa nach vorn: gleich geht es in die Mittagshitze hinaus.

Blick von der Mitte der Pampa zurück. Die Schleife des Quinchol geht einmal um die große, grüne Kuppe herum, rechts der Lago Tinquilco. In Hintergrund links die Vulkane Quetrupillán und Villarrica. Mit scharfen Augen ist zwischen den beiden auch noch der Choshuenco erkennbar.

Tatsächlich gelaufen bin ich folgende Strecke: Als Erwärmung und zur Information den 1km langen Nirrico, anschließend den Zustieg des Quinchol und die erste Hälfte der Schleife, den San Sebastian hoch und wieder zurück, die zweite Hälfte der Quincholschleife und dann den Abstieg bis zum Ufer des Tinquilco hinunter, wo ich mich unter der Abendsonne von der Kruste aus Schweiß und Staub befreite.

Der Araukarienwald auf etwa 1600m Höhe.

Das erste Stück, der Ñirrico war landschaftlich sehr schön. Ein Wegchen schlängelte sich am Hang entlang durch verwucherten Wald, der immer mal wieder den Blick auf den darunter liegenden Tinquilco freigab. Die Informationstafeln waren dafür eine Enttäuschung. Ich habe gelernt, dass die Seen während der Eiszeit durch Gletscher entstanden sind, und dass, wenn die Bäume wegsterben, der Boden austrocknet. Die letzte der fünf von sieben angekündigten Informationstafeln verkündete inhaltsschwer – das Ende des Lehrpfades.

Eines der ganz wenigen Tierchen, die sich fotografieren ließen. Von den Vögeln habe ich bestenfalls verschwommene Aufnahmen machen können, selbst für den Kollegen hier brauchte ich den kompletten Zoom meiner Kamera. Warum die Eidechse hier Klapperschlange spielt und ihren Schwanz in die Höhe reckt, weiß ich nicht, vielleicht wollte sie ihn nicht schon wieder verlieren...

Derart enttäuscht machte ich mich über einen Schotterweg auf den Weg zurück zum Einstieg zum Quinchol. Der war leicht zu finden, nach einigen Metern bergan kam mir ein Mitarbeiter des Parks entgegen, dann hatte ich den Weg für die nächste Stunde für mich allein. An der zweiten Weggabelung sah ich den zweite rote Markierungsstange und freute mich schon, dass ich anhand der aufgemalten Zahlen ablesen kann, wieviel des Weges ich schon zurück gelegt hatte. Eine halbe Stunde später allerdings fiel mir auf, dass ich schon lange keine Stange mehr gesehen hatte, und tatsächlich war die Stange mit der “2″ auch die letzte der versprochenen 14.

Blick zurück über den Bergrücken, den ich gekommen bin. Der hellgrüne Fleck ist die Pampa. Man sieht rechts den Lago Tinquilco und dahinter den Lago Colico. Der weiße Vulkan ist der - Überraschung - Villarrica. Weiter links, das Dreieck, das ist der Lanín an der Grenze zu Argentinien. Zwischen den beiden der Quetrupillán und der Choshuenco. Pucón liegt hinter der Hügelkette hinter den beiden Seen.

Der Weg war trotzdem leicht zu finden, es war dieser überaus staubige Pfad, der steil nach oben führte und rechts und links von dichtem Unterholz gesäumt war. Gegen 11 machte ich an einem umgekippten Baumstamm rast, wechselte in kurze Hosen, cremte mich mit Sonnencreme ein, und aß etwas – die letzte Mahlzeit lag ja schon 3,5h zurück. Außerdem warf ich einen Blick auf die Karte, stellte erst jetzt mit Verwirrung fest, dass der San Sebastian ja gar nicht an einem Tag zu schaffen wäre, wenn zu den 5h für eine Richtung noch die 2h des Quinchol dazu kämen. Der letzte Bus nach Pucón fuhr 19:30, und ich hatte fest vor, diesen zu erreichen. Ich beschloss, mich beim Aufstieg zu beeilen, nicht mehr so den raschelnden Tieren nachzuspüren und allerspätestens um 4 umzukehren, egal wie weit ich vom Gipfel entfernt sein würde.

Den Weg bin ich eben hoch gekommen. Die Äste helfen enorm beim Aufstieg. Noch ist das Ende des Waldes nicht erreicht, der Weg wird noch enger, steiler und überwucherter.

Nach der ausgedehnten Rast schaffte ich den Rest des Anstiegs in etwa einer halben Stunde, hatte also gegenüber der offiziellen Zeit ein Viertel rausgeholt. Derart ermutigt, stapfte ich gleich weiter. Nachdem der steile Anstieg geschafft war, öffnete sich vor mir ein Märchenwald. Auf den letzten Höhenmetern hatte die Dichte an Araukarien deutlich zugenommen, und hier oben bestand der Großteil der Bäume aus diesen stacheligen Pilzbäumen. Schon nach zehn Minuten lichtete sich der Wald jedoch und vor mir lag die Pampa Quinchol, die mit ihren vertrockneten Grasbüscheln ihrem Namen alle Ehre machte. Der nächste Kilometer führte in der sengenden Mittagssonne ungeschützt über flachen Bergrücken. Unterwegs standen einige vereinzelte Araukarien, die sich fotogen gegen die Vulkane am Horizont ausnahmen. Immer wieder hielt ich an, um mich umzusehen, und mir die Bergkette anzusehen, auf die ich hinauf wollte. Trotzdem kam ich zügig voran, da die Steigung hier vernachlässigbar war. Mir dampften die Füße und ich war heilfroh, in den Schatten des nächsten Waldes schlüpfen zu können.

Eines der letzten schattigen Plätzchen vor der Baumgrenze... Ja, es ist verflucht warm.

War der vorherige Wald auf dem letzten Stück schon beeindruckend, so war das hier atemberaubend. Die alten Araukarien waren an den Stämmen mit pelzigen grünen Flechten (?) behangen, und darunter standen wie kleine Zombies die jungen Araukarien mit ihren abgespreizten Armen. Dazwischen standen immer wieder Büschel von Riesenbambussen und vereinzelt führte der Weg an die Kante des Bergrückens und öffnete den Blick in die Umgebung. Beim Laufen raschelte es beständig um mich herum, manchmal waren die Eidechsen so tief verschlafen, dass sie erst hektisch Reißaus nahmen, als ich schon unmittelbar vor ihnen stand.

Schon deutlich näher am Gipfel. Zur Orientierung: Der Lanín ist etwa in Bildmitte. Links ist jetzt mehr von der Bergkette zu sehen, auf der ich unterwegs bin. Insbesondere die Laguna San Manuel, die nur von oben zu sehen ist.

Gegen 1 Uhr traf ich an einem Aussichtspunkt einen Deutschen, der gerade vom Gipfel kam. Für den Abstieg hatte er bisher eine Stunde gebraucht und schätzte, dass ich für den Aufstieg anderthalb Stunden brauchen würde. Ich fand das etwas optimistisch, aber nachdem ich den Weg sah, den ich aufzusteigen hatte, verstand ich, weshalb er glaubte, dass der Abstieg nur wenig schneller als der Aufstieg sein müsste. Kurz nach dem Aussichtspunkt nahm die Steigung wieder drastisch zu. Nicht nur das, der Weg wurde noch staubiger als zuvor und führte unter tiefhängenden Zweigen und zwischen freigefegten Wurzeln durch. Zum Glück, denn ohne diese Zweige wäre der Aufstieg (und vor allem später der Abstieg) deutlich gefährlicher gewesen. Meine Schuhe waren gut, aber gegen trockenen Staub vermag auch die beste Sohle nichts auszurichten. Ich korrigierte meine spätestes Umkehrzeit auf um 3, wenn ich über diesen Weg wieder zurück wollte. Zu allem Übel merkte ich, dass ich zum ersten Mal überhaupt eher zu wenig Wasser dabei hatte und nach etwa einer dreiviertel Stunde beschwerlichen Aufstiegs hatte ich auch noch die obere Buschgrenze erreicht. Von nun an ging es in der prallen Sonne weiter. Der Weg war immer noch steil, dafür war der Tritt hier besser als im Wald. An einigen Stellen musste ich klettern, um über die Felsbrocken zu kommen. Das war bis auf eine Stelle nicht weiter schwierig, wenn die Felsen nur nicht so verdammt heiß gewesen wären.

Das erste Gipfelbild.

Auf dem letzten Stückchen wechselte ich mich in der Führung mit einer Gruppe von vier Amerikanern ab, die, wie sich auf dem Gipfel herausstellen sollte, aus Denali, Alaska, kamen. Oben angekommen, es war etwa 14 Uhr, machten wir reichlich Fotos von der grandiosen Aussicht, frischten die Sonnencreme auf, tranken etwas und machten uns wegen der Gluthitze nach 20 Minuten wieder an den Abstieg. Einer der Amerikaner stieg ein paar Meter neben dem Weg zu einem kleinen Schneefeld ab und versorgte uns mit kleinen Schneeklümpchen – ein großartiges Gefühl, wenn die über die verschwitzte Haut rutschen, auch wenn sie viel zu schnell aufgebraucht waren.

Blick nach Norden. Die drei zumindest teilweise sichtbaren Seen sind das Ziel des Wanderwegs "Los Lagos". Da unten ist jetzt schön kühl und schattig, zumindest im Vergleich zu hier oben.

Beim Abstieg hängte mich die Vierergruppe locker ab, ich hielt noch mehrmals an um Fotos zu machen, und mit einer Chilenin zu sprechen, die es sich an einer der Kletterstellen auf dem Fels bequem gemacht hatte – vermutlich um nach dem Kondor Ausschau zu halten, der hier zu sehen sein sollte. Ich war jedenfalls heilfroh, als ich nach etwa zwei Stunden endlich wieder im Schatten war, auch wenn jetzt der schwierigste Teil des Abstiegs begann. Der staubige steile Untergrund war eine Qual, und mindestens fünf bis sechs mal rettete mich der Ast, an dem ich mich gerade festhielt, vor einem unsanften Abgang.

Die andere Seite, leider mehr oder weniger gegen die Sonne. Im fernen Hintergrund eine Bergkette der Anden.

Ansonsten verlief der Abstieg bis zur Pampa ohne große Ereignisse, ich machte zwei mal kurz Rast unterwegs. An der Einmündung des San Sebastian auf den Quinchol angekommen, entschied ich, wie geplant den kleinen Umweg für den zweiten Teil der Schleife zu gehen. Nach etwa zwei Kilometern bereute ich diesen Entschluss. Zum einen gab es hier nichts Großartiges mehr zu sehen. Nach dem Wald weiter oben war der hier nicht annähernd so beeindruckend, zumal hier nur vereinzelt Araukarien standen. Von der Aussicht auf die Vulkane gab es auch nicht so viel, vermutlich war damit das kleine Stück über die Pampa gemeint. Zum anderen aber haben mich hier lästige kleine Tierchen verfolgt. Sie sehen aus wie Bremsen, klingen wie Schmeißfliegen und stechen wie Mücken. Auf dem Gipfel habe ich schon eins erschlagen, nachdem es mich in die Schulter gestochen hat. Hier unten umschwirrten mich gleich mehrere, und obwohl ich eines erwischte, nervten mich die anderen beiden (!) so sehr, dass ich schließlich aufgab und meinen Rastplatz nach nur 5 Minuten wieder verließ. Die Flattermänner oder zumindest ihre Brüder umschwirrten mich immer noch, als ich an die Stelle kam, an der ich am Morgen vom Zustieg auf den Quinchol Richtung San Sebastian abgebogen war. Ich zog meine Fleecejacke aus, die ich als Schutz trotz der Hitze angezogen hatte, wirbelte sie etwa eine Minute lang um meinen Kopf, stopfte sie in den Rucksack und rannte mehrere hundert Meter den Zustieg hinunter. Ich weiß nicht, welche der Maßnahmen es war, auf jeden Fall war ich die Flieger endgültig los.

In der Ferne ein Waldbrand - der auch dafür sorgt, dass die Sicht seit einigen Tagen recht diesig ist, was man erst auf großen Entfernungen sieht. Die Waldbrandwarnstufentafel am Eingang des Nationalparks stand auch auf "Extremo".

Ein anderes Tierchen habe ich auch noch gesehen, bei dem ich nicht weiß, wie harmlos es tatsächlich ist. Beim zügigen Laufen sah ich unmittelbar vor mir plötzlich etwas schlankes Gekringeltes. Selbst ziemlich erschrocken, entwirrte es sich in Eiltempo und schlängelte sich Richtung Wegesrand. Ohne Nachzudenken machte ich einen großen Schritt darüber hinweg und rannte die nächsten Meter. Ob und was für eine Schlange es war, weiß ich nicht – aber ehrlich gesagt, reicht mir die Tatsache, dass wir beide unbehelligt voreinander Reißaus nehmen konnten.

Auf dem Weg nach unten.

Das letzte Stücken den Berg hinunter zog sich ewig. So langsam brannten mir die Oberschenkel, die Fußsohlen und die Knie. Ich machte immer wieder kleine Pausen, an einem (dem einzigen) Aussichtspunkt machte ich länger Pause und unterwegs versuchte ich mehrmals, Vögel zu fotografieren. Hatte ich für den Aufstieg etwa 3,5h gebraucht, brauchte ich für den Abstieg etwa 4h. Zugegeben, ich nahm mir bewusst die Zeit, auch um einen Blick auf die scheue Fauna zu erhaschen, trotzdem war ich heilfroh, als mein Weg endlich auf die Schotterstraße mündete.

Wieder im Araukarienwald.

Von dort fand ich schnell zum Strand des Tinquilco. Besser noch, ich fand ein relativ abgeschottetes Plätzchen am Rand des offiziellen Strands, auf dem ich mich in aller Ruhe umziehen und dann ins Wasser kriechen konnte. Für die nächsten zwanzig Minuten lag ich nahezu reglos in Ufernähe auf dem Sand im kühlen Wasser, dass gerade tief genug war. Meine zuvor völlig eingestaubten Beine wieder hautfarben, stieg ich abgekühlt aus dem Wasser und sank erschöpft auf mein Handtuch. Widerwillig und nur mit großer Mühe stand ich von dort eine dreiviertel Stunde später wieder auf, aber mein Wille, den letzten Bus des Tages zu erwischen bestand nach wie vor.

Araukarien...

Da ich der Flasche den letzten Schluck Wasser am Strand abgerungen hatte, musste ich während der Busfahrt über die staubige Zufahrtspiste dursten. Wenigstens war der Bus halb leer und die Fenster offen, so dass die Temperaturen erträglich waren. Mein erster Weg in Pucón führte mich in den kleinen Kiosk am Busbahnhof, wo ich eine mittelgroße (hier 1,5l) Flasche Cola erstand. Derart bewaffnet trat ich die zehn Minuten Fußweg nach Hause an, wo ich irgendwie die Zeit bis zum Abendessen überbrückte und anschließend erschöpft, aber glücklich einschlief.

Vereinzelte junge Araukarien, die entfernt an torkelnde Zombies erinnern.

Blick Richtung Osten, vom Nordhang des Quinchol.

Der Alptraum für jeden Tischler: astreiche Araukarienstämme.

Eins der wenigen Fotos, auf dem man den Vogel auch erkennt: Ich dachte erst, mir kommt jemand in Flipflops entgegen geschlurft, bis ich den Specht entdeckte, der den Baum hochhüpfte.

Mein lauschiges Badeplätzchen, an dem ich meine dunkelgrauen Beine wieder sauber geschrubbt hab.

Zum Abschluss noch ein Stimmungsbild. Möglich wurde es durch den Staub, den der Bus nach Pucón bei seiner Ankunft am Nationalparkeingang aufgewirbelt hat. Ansonsten wären die Strahlen nicht so schön zu sehen.

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