Flora und Fauna

25. August 2013

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Da sie nicht so richtig zu den Tagesetappen passen, stelle ich hier einmal die Fotos zusammen, die ich unterwegs von Pflanzen und Tieren gemacht habe. Da ich kein Biologe bin, kann ich nur  zu den wenigsten Vertretern einen Namen liefern; sachdienliche Hinweise bin ich gern bereit hier einzubauen :)

Unser erster Kontakt: ein männlicher Steinbock.

Gut, etwas makaber. Aber das könnte die Großmutter gewesen sein.

ICH würd es ja einen lila Oktopus mit Haarspliss nennen, aber auf meine Meinung kommt es ja hier nicht an.

Diese Steinböckin ist schon in einem früheren Post aufgetaucht...

Spring nicht....

Gut, nur Fauna im weiteren Sinne. Resch, der auf dem Grat über der Conscrits versucht, Handyempfang zu bekommen und mit seinem scheitert. Natascha und ich hatten dagegen ausreichenden Empfang, selbst unten an der Hütte.

DEN kenn ich, das ist der Enzian!

Und der ist auch gut zu erkennen, der Steinbrech. Von der Seite...

... und von oben.

Einer der Pelzkollegen aus einem der vorherigen Posts.

Hier sein Wohnzimmer...

... und hier sein Mittagessen.

Steinbock junior.

Und nun noch ein Rätsel zum Schluss: Ein einzelnes, isoliertes Exemplar, leichter als ein Stein.

¬ geschrieben von Christiane in 2013 Mont Blanc

Tag 4, 19. August 2013

25. August 2013

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Für den letzten Tag gibt es eigentlich nicht mehr viel zu erzählen. Der Weg ist bekannt, das Ziel ist klar, auch an physischen Leiden kommt nicht mehr viel dazu. Meine Füße haben vom gestrigen Abstieg jetzt auch Blasen bekommen, die von dem Monsterabstieg heute (1600 Höhenmeter) noch schlimmer werden, so dass ich für die nächsten Tage Probleme beim Schuhanziehen und Gehen habe. Aber das sind alles Oberflächlichkeiten, die bald wieder vergehen, wichtiger ist, die volle Konzentration auf die teilweise schwierigen Kletterstellen (hoch ist irgendwie immer leichter als runter) zu richten.

Heute ist das Wetter bewölkt, mit einigen Tröpfchen. Der Rucksack bekommt seine Haube, und die Regenjacke ist griffbereit. Mehr als selbst nass zu werden, bereitet mir der Weg Sorgen, der nass auch rutschig wird.

Resch klettert vor. Mal hat Ronny Probleme beim Abstieg, dann ich. Auf den ersten Höhenmetern trage ich unser "Geschenk", angesichts meiner eigenen Körpermasse und meiner Klettererfahrung eine ganz besondere Herausforderung.

Ein letzter Blick zurück zur Conscrits, die schon halb in den Wolken versinkt.

Die Wolken waren dicht, aber wir blieben trocken.

Gerade bei schlechter Sicht habe ich darauf geachtet, mit den anderen zusammen zu bleiben. Wobei "mit den anderen" eigentlich "mit Ronny" hieß, da Resch leicht genervt von Ronnys Abstiegstempo mit Natascha schonmal zur Hütte Tre la Tete vorgelaufen ist.

Der Abstieg hat sich körperlich sehr interessant angefühlt. Ich habe mich etwas ans Tauchen erinnert gefühlt: Man spürt, wie der Druck auf einen zunimmt, wie sich die Atmung verlangsamt, und trotzdem muss der Brustkorb nicht schwerer arbeiten. Zwischenzeitlich habe ich mich etwas schwindelig gefühlt, und habe überlegt, ob es so etwas wie die Tiefenkrankheit gibt. Aber vermutlich habe ich während des Abstiegs einfach zu wenig getrunken.

Schadensbegutachtung.

Gleich fahren wir ab.

Wir waren etwa halb 7 am Auto, um 7 waren wir abfahrtbereit. Nach anderthalb Stunden habe ich vorübergehend das Steuer übernommen… ich bin Audi (ausgerechnet!) gefahren.

In Ilmenau waren wir kurz vor 5; angesichts der späten Stunde und einer kleinen Unpässlichkeit (Abstiegsstress?) während der Fahrt, habe ich lieber noch einmal auf Resch’s Couch im Schlafsack übernachtet und mich erst am frühen Nachmittag des 20. auf die Heimreise nach Erfurt begeben. Dort habe ich mich nur noch einmal nennenswert von der Couch wegbewegt, nämlich als ich die geliehene Ausrüstung zum DAV zurück gebracht habe.

 

PS: Wer sehen möchte, wie die Tour auf den Gipfel weiter verlaufen wäre, wenn wir nicht umgekehrt wären, kann sich auf Youtube umschauen; ein nettes Video ist zum Beispiel das hier.

¬ geschrieben von Christiane in 2013 Mont Blanc

Tag 3, 18. August 2013

25. August 2013

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Heute verlassen wir die markierten Wege. Am Abend zuvor hatten wir überlegt, wie wir am besten zur Refuge Durier laufen, es gab zwei Alternativen: Über den Gletscher laufen und dann zu den Dômes de Miage aufsteigen, oder direkt steil auf den Grat hoch und über den Felsgipfel der Aiguille de la Bérangère steigen. Von anderen Bergsteigern wurde uns der Gletscher als die sicherere Route empfohlen, außerdem schien er etwas kürzer und leichter.

Auf der Refuge des Conscrits waren uns auch die ersten Zweifel gekommen, ob wir es bis zur Durier schaffen könnten. Ronny hatte sich schon die ersten Blasen aufgerieben, und Natascha erklärte sich schon bereit, mit Ronny abzusteigen, um ganz sicher rechtzeitig in Ilmenau sein zu können. Auf der Karte entdeckten wir einen dritten Weg von der Durier zurück ins Tal, außer unserem Aufstiegsweg und dem Weg über den Mont-Blanc-Gipfel. Wir überzeugten Ronny seine Füße mit viel Tape zu pflastern und wenigstens noch mit bis zur Durier aufzusteigen.

Während der Nacht bekam ich Kopfschmerzen. Eigentlich brauchte ich dringend Schlaf, doch wegen der bevorstehenden Etappe und der Sorge um die Höhenkrankheit schlief ich in dieser Nacht vermutlich nur 4 Stunden. Kopfschmerzen sind das erste Anzeichen für eine Höhenkrankheit, allerdings bekäme ich nicht zum ersten Mal auf einem Federkissen stechende Kopfschmerzen. Außerdem ging es mir ansonsten recht gut. Also beschloss ich, erstmal den den nächsten Morgen abzuwarten.

Der kam dann auch 3:30 Uhr. Als wir um 4 in den Frühstücksraum kamen, war dieser schon gut besucht. Das Frühstück war ähnlich lecker und nahrhaft wie das auf der Tre la Tete, nur diesmal war der Kakao auch noch mit Wasser angemischt. Resch drängelte uns zur Eile, damit wir uns an die erfahreneren Bergsteiger anschließen könnten, aber tatsächlich sahen wir die ersten Stirnlampen an der Hütte vorbei laufen, als wir noch am Tisch saßen.

Mit Kopflampe geht es früh morgens den Berg hoch. Gerade trägt Resch das "Geschenk", das 4kg schwere Seil, das zu tragen wir uns abgewechselt haben. Das beste am Seil war, es wieder loszuwerden: anschließend fühlte man sich für ein paar Minuten leicht wie eine Feder.

Gegen 5 sind auch wir endlich losgekommen. Ich ging voran, und folgte einigen frischen Spuren auf dem Fels. Bei dem steilen Aufstieg pumpte meine Lunge schon wieder am Anschlag, deshalb war ich froh, dass wir immer wieder anhalten mussten, um nach dem Weg Ausschau zu halten. Trotz Felsen konnte ich der Spur ganz gut folgen, an manchen Stellen sah der Untergrund richtig nach Weg aus. Dann jedoch kamen wir an eine Gabelung. Meine Nase sagte, dem Weg zu folgen, der den Hang entlang führt; die Karte redete Resch und Ronny ein, dass wir noch weiter den Grat entlang aufsteigen müssten.

Weiter oben hab ich dann selbst mit in die Karte geschaut, und anhand der Formen der Gletscher auf den umliegenden Hängen die Richtung bestimmt – wir einigten uns daraufhin auf einen geradlinigen Weg quer über einen Geröllhang, der uns nach einem hoffentlich ebenen Übergang auf den Gletscher führen würde.

Anderthalb Stunden harte Arbeit, und die Conscrits ist im Morgengrauen etwa 200 Höhenmeter tiefer immer noch zu sehen.

 

Auf dem Weg zum Gletscher. Die sichtbare dunkle Eisfläche ist stark zerklüftet, wir mussten unseren Weg so wählen, dass wir oberhalb dieses Spaltenfeldes auf den Gletscher stoßen würden.

Die letzten Schritte auf Felsboden und Geröll. Gleich schnallen wir die Steigeisen an und gehen auf dem Schnee weiter.

Während die anderen drei ihre Müsliriegel verzehren und ihre Steigeisen einstellen (zum Glück hat mein Taschenmesser auch einen Schraubenzieher…) kämpfe ich mit der Übelkeit. Meine Kopfschmerzen von der Nacht sind weg, jetzt revoltiert mein Magen. Ist es die Höhenkrankheit? Nach einer Viertelstunde geht es mir besser, und ich schnalle auch meine Steigeisen an.

Ronny und Natascha an der Leine.

Die Steigeisen sind notwendig, um auf dem hartgefrorenen Schnee und dem darunter liegenden Eis noch guten Stand zu haben. Ohne Steigeisen würde man schon bei geringer Neigung ständig die Hälfte jedes Schrittes unkontrolliert wieder zurück rutschen. Zu Steigeisen gehört ein Pickel – auf eisigem Untergrund die einige Möglichkeit zu bremsen, wenn man doch mal stürzt. Außerdem kann man den Pickel als Wanderstock benutzen. Das Seil ist notwendig, um jemanden – meist den Seilersten – aus einer Gletscherspalte ziehen zu können. Im Sommer, wenn die großen Spalten schneefrei und damit sichtbar sind, ist das Spaltensturzrisiko zwar recht klein. Aber es gibt sie eben, die Spalten, die noch eine Schneebrücke haben, welche nachgibt, wenn jemand darüber läuft. Oder die Spalten, die man überspringen kann, an deren Rand man dann aber doch wegrutscht oder wegbricht. Und da sich so ein metertiefer Sturz oft negativ auf die Gesundheit auswirkt, sichert man sich gegenseitig mit einem Seil, und nimmt so in Kauf, dass die Seilnachbarn auch von ihren Füßen gerissen werden und sich beim Sturz einen Arm brechen. Aber lieber drei Leichtverletzte als einen Toten.

Die Spalte haben wir eben gequert und laufen jetzt ein paar Meter längs zu ihr. Die Spuren, denen Resch folgt, stammen von den Bergsteigern, die vor uns aufgebrochen sind.

Da ist unser Ziel! Der Gipfel des Mont Blanc.

Was macht man eigentlich, wenn 4 Leute am Seil hängen und einer braucht eine Pause? Der Abstand zwischen den Personen wird natürlich beibehalten, jeder macht Rast, wo er gerade steht. Da alles Schnee ist, unterscheiden sich die Rastplätze auch nicht. Gut ist, wenn man seinen Rucksack so gepackt hat, dass man sich darauf setzen kann.

Rast zum Schneeschmelzen und Kraft tanken.

Diese Rast geht auf meine Kosten. Durch meine Übelkeit weiter unten konnte ich – anders als die anderen – nichts essen. An der Stelle war ich daher so erschöpft, dass ich dringend etwas essen musste. Nachdem ich zehn Minuten lang Studentenfutter in mich reingeschaufelt habe, fühlte ich meine Kräfte zurückkehren. Dafür bemerkte ich, wie sich mein Magen mit jedem Schluck Wasser, den ich trank, innerlich gesträubt hat. Böses ahnend, wechselte ich von meiner kalten Plastikflasche, die ich in der Hütte aufgefüllt hatte und die außen an meinem Rucksack hing, auf meine Thermosflasche, die noch mit Ilmenauer Wasser gefüllt war. Ob es die höhere Temperatur war oder die Sauberkeit oder einfach die Rückkehr zum Gewohnten – mit dem Wasser ging es mir deutlich besser.

Anschließend ging es über fast ebenen Gletscher recht gemütlich den Berg entlang. Doch dann mussten wir nach links abbiegen, um die letzte große Steigung des Tages in Angriff zu nehmen. Zu diesem Zeitpunkt war es etwa 11 Uhr vormittags, und alle anderen Bergsteiger vor uns waren uns schon Stunden voraus. Theoretisch sollten wir für die Tour 7 Stunden brauchen, davon 4 über den Gletscher und weitere 3 über den Grat. An dieser Stelle, also 6 Stunden nach unserem Aufbruch, hätten wir schon 3 Stunden früher sein müssen. Am Nachmittag war nicht nur mit schlechteren Schneeverhältnissen zu rechnen, sondern auch mit mehr Wolken, möglicherweise Gewitter.

Die Kraft hatte ich noch, Herz und Lunge dagegen hatten Mühe mitzuhalten. Mit letzter Kraft würde ich es bis auf die Hütte schaffen, aber vermutlich erst spät, sehr spät am Nachmittag. Wir mussten noch etwa 300m Höhenmeter ansteigen und auf der anderen Seite des Gipfels einen schwierigen Grat entlang wieder absteigen. Völlig erschöpft auf 3400m anzukommen erhöht die Wahrscheinlichkeit, höhenkrank zu werden. Länger unterwegs zu sein, erhöht das Risiko in ein Gewitter zu kommen. Völlig erschöpft anzukommen heißt, ich würde mich in den zwei Nächten auf der Durier bestenfalls hinreichend für den Abstieg erholen, keinesfalls für den weiteren Aufstieg zum Mont Blanc. Lohnt sich die Gefahr der völligen Erschöpfung für den vollendeten Aufstieg zur Durier? Die Gefahr eines Sturzes auf dem Grat sinkt mit zunehmender Erschöpfung auch nicht gerade.

Die letzten Meter vor der Umkehr...

Zehn Meter laufen, eine halbe Minute Atempause. In dem Tempo kommen wir nur langsam voran. Immer wieder motiviert Resch zum Weitergehen. Auf 3350m schließlich habe ich mich zur Entscheidung durchgerungen, ich will heil den Berg wieder runter kommen.

Ein letzter Rundblick: Im Vordergrund steht links Resch, und rechts stehen Ronny und Natascha. Ganz links schaut der Mont Blanc herüber.

Wir diskutieren noch ein Weilchen, ob wir zwei Zweierteams bilden, wer von den anderen beiden fit und schnell genug wäre, um mit Resch weiter auf die Durier zu steigen. Natascha und Ronny streiten sich um den Abstieg, die eine, weil sie pünktlich wieder in Ilmenau sein will, der andere, weil er ohnehin schon mit seinen Blasen zu kämpfen hat. Eine Möglichkeit wäre auch, zusammen abzusteigen und zu dritt am nächsten Tag erneut aufzusteigen. Nachdem sich außer Resch keiner den weiteren Aufstieg zutraut, steigen wir gemeinsam bis zum unteren Gletscherrand zurück.

Jetzt merken wir auch, warum man zeitig aufbricht auf dem Gletscher: Auf dem Rückweg scheint die Sonne, und der Untergrund ist weich und rutschig. Man muss die Steigeisen gut setzen und bei jedem Schritt mit ein paar Zentimetern Rutschen rechnen. Natascha fühlt sich unsicher, wir müssen häufiger auf sie warten.

Ich beim Spaltenqueren.

Da soll ich drüber?!

Am Rande des Gletschers kündige ich Resch eine benötigte Pause an, weil meine Konzentration nachlässt. Da wir schon stellenweise über Schotter laufen, verschiebe ich die Pause noch um ein paar Minuten, weil wir dann nachdem wir über alle Schneefelder gelaufen sind, gleich die Steigeisen abschnallen können. Auf den Schotterfelsen haben die Zacken der Steigeisen zwar gute Haftung, dafür steht man oftmals nur auf zwei oder drei davon und damit ziemlich kippelig. Dennoch ist mein Malheur nicht auf den Felsen passiert, sondern kurz nach einem Übergang zurück auf den Schnee: Der Schuh mit dem Steigeisen kippt seitlich weg und ich knicke um.

Wieder müssen wir erstmal eine Pause einlegen. Der Knöchel bessert sich rasch, der Schmerz ist bald weg. Trotzdem merke ich den Unfall für den Rest der Tour; bei jedem Schritt, bei dem ich den Knöchel nicht genau senkrecht belaste, tut er wieder weh. Laufen ist so zwar kein Problem, aber auf den felsigen, unebenen Etappen muss ich aufpassen, wohin ich trete.

Als wir endlich das letzte große Schneefeld überquert haben, flitzt Resch schon mal los, unter anderem um von der Refuge des Conscrits aus unser Fernbleiben an die Refuge Durier zu melden. Wir anderen genießen die Ruhe, machen noch ein wenig Rast und steigen dann stressfrei zu dritt ab. Genau genommen merken wir gar nicht, dass Resch schon vorgelaufen ist, er war auch vorher meist außer Sichtweite, wenn er nicht gerade angeleint war.

Das letzte Schneefeld. Wenn man die Stellen vorsichtig auswählt und vorsichtig läuft, kommt man hier auch ohne Steigeisen und trockenen Fußes drüber.

Auf dem Rückweg sind wir auf den Weg gestoßen, mit dem wir uns am Morgen etliche unnötige Höhenmeter gespart hätten.

Nach dem Abstieg zur Hütte habe ich mich erstmal für einige Minuten auf einen Stein vor die Hütte gelegt. Das nächste, was ich weiß, ist, dass ich das Wort “Essen” gehört habe. Irgendwie habe ich es auch auf die Terrasse hoch geschafft, wo als Mittagessen Nudeln serviert wurden. In einem beeindruckenden Kampf zwischen Gehirn (“du musst essen”) und Magen (“lass mich in Ruhe”) habe ich es tatsächlich geschafft, ein paar Nudeln dauerhaft zu mir zu nehmen. Anschließend diskutierten wir wieder die Frage, was wir als nächstes tun sollten. Resch brannte darauf, nach der fehlgeschlagenen Tour wieder nach Hause zu kommen. Schade, denn ich hatte schon gehofft, dass die drei nochmals aufsteigen würden und ich noch einen Tag auf dem Gletscher verbringen könnte. So überlegten wir, ob wir noch heute zur Refuge de Tre la Tete absteigen sollten, und morgen bis zum Auto, oder doch lieber morgen den ganzen Abstieg. Ich selbst zweifelte noch daran, ob ich heute den Abstieg schaffen würde, aber Natascha nahm mir die Entscheidung ab: Wir würden die Nacht auf der Conscrits verbringen.

Als das geklärt war, legte sich Natascha (mit Magenschmerzen übrigens) hin, während ich mit Resch abstieg, um den Gletscher näher in Augenschein zu nehmen. Allerdings mussten wir auf halber Strecke erkennen, dass das, was wir für eine Moräne gehalten hatten, in Wahrheit noch auf dem Rand des Gletschers lag. Auf einem Geröllfeld über Randspalten rumzuklettern hielten wir beide nicht für besonders schlau, und so verlegte ich mich auf die Fernerkundung, und Resch stieg mit Ronny nochmal zum Grat auf.

Den kleinen Kameraden habe ich eher zufällig entdeckt.

Auf dem grasbewachsenen Südhang, auf dem wir uns befinden, wimmelt es vor kleinen Murmeltierhöhlen. Leider konnte ich mich mit meinen brettharten Sohlen nicht anschleichen und kam so nicht nennenswert an die Murmeltiere heran. Im Hintergrund sieht man übrigens eine blassblaue Gletscherspalte im Geröll klaffen.

Vielleicht ist es jemandem aufgefallen, aber ich mag Gletscher. Deshalb hier noch ein paar Fotos von Eisformationen:

Das ist der obere Kessel des dreistufigen Gletschers.

Das ist der gleiche Gletscher, in "Nahaufnahme". Man sieht schön den Bruch zwischen stehendem (festgefrorenem) Eis am Hang und fließendem Eis im Kessel. Rechts und in der Mitte sieht man einen kegelförmigen Gesteinsabgang. Die vordere Kante ist nicht einfach nur eine Bruchkante, sondern eine, bei der man die Lagen der einzelnen Schneefälle gut erkennen kann.

Ein fast noch schöneres Exemplar. Man sieht die gleichen Merkmale wie eben, nur dass die Fließspuren im oberen Bereich noch stärker ausgeprägt sind, und der Bruch über mehrere Stufen erfolgt. Die Zunge unten ist schneefrei, und daher grau (Gesteinsstaub) bis blau (Gletschereis). Ganz links oben ist auch eine kleine Gletscherhöhle zu sehen.

Der Osthang (auf dem ich stehe) ist fast schneefrei. Der Westhang dagegen hat massive Gletscher. Das ist wohl damit zu erklären, dass der Himmel am Nachmittag meist dicht bewölkt ist. Weiter oben trägt auch der Osthang Gletscher. Man sieht ein Gewirr aus gebröckelten Eisfeldern, teilweise schneefrei. Der Tre la Tete-Gletscher (im Tal) ist einigermaßen zerklüftet aber großteils schneefrei. An einigen Stellen sieht man große Felsbrocken auf dem Eis liegen.

Viel Spaß beim Begehen dieses Spaltenfeldes. Einziger Trost: Gletschereis ist sehr stabil.

Eine kleine (alte) Lawine.

Eine schöne Gletscherspalte.

Hier kann man erahnen, wie verzweigt sie ist, und wie breit sie unter der Oberfläche tatsächlich ist. (Hinweis: Ich selbst stehe mit Sicherheit gerade über einem Hohlraum...)

Wie einladend die weißen Schneestreifen aussehen. Dabei ist der Gletscher unter ihnen genauso zerklüftet wie in den gräulichen Bereichen daneben.

 

¬ geschrieben von Christiane in 2013 Mont Blanc

Tag 2, 17. August 2013

25. August 2013

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Die Nacht auf der Tre la Tete war kurz, das Frühstück klein – etwas Müsli mit trockenem Hüttenbrot (“neinein, das ist kein Schimmel”) und Orangensaft. Beim Aufstieg hinter die Hütte am Abend zuvor musste ich vom Sprint in gemütlichen Trab zurückschrauben, weil ich mit dem Atmen nicht mehr hinterher kam. Dafür war das Wetter grandios. Ein strahlend blauer Himmel mit nur winzigen Andeutungen von Wölkchen.

Dieses Tal tat sich am nächsten Morgen vor uns auf.

Dieser Dreckhaufen da unten ist ein Gletscher. Die Gletscherzunge des Glacier de Tré la Tête, um genau zu sein.

Früher (bis vor einem Jahr) ging der Weg über den Gletscher, von da konnte man über einen Klettersteig auf den Felsen steigen. Durch das stetige Abschmelzen mussten die Klettersteige jedoch jedes Jahr neu verlegt werden, so dass ein dauerhafter Weg weiter oberhalb sinnvoller erschien. Der ist seit letztem Jahr offen. Er dauert deutlich länger als der Gletscherweg, weil er jeder Einkerbung im Berg folgt, dafür ist er sicherer.

Sehr schön sieht man, wie das Eis an der Front des Gletschers abbröckelt. Die Schuttdecke dürfte einige Meter dick sein. Durch das Gletschertor fließt das Schmelzwasser des Gletschers, durch Gesteinsabrieb sieht es sehr milchig aus. Oft bildet das Schmelzwasser ein richtiges Kanalsystem im Gletschereis unter der Oberfläche. Wenn das Eis abgeschmolzen ist, bleibt des Schutt als Moräne liegen.

 

Gerade wird unser Abendessen zur Refuge des Conscrits gebracht.

Natascha vor einem herrlichen Bergpanorama. Heute müssen wir schon deutlich kniffligere Wege überwinden, teilweise unsere Hände einsetzen.

Der Weg ist gut markiert und teilweise recht bequem zu gehen. An schwierigen Stellen sind Seil angebracht, an denen man sich am Abgrund entlang hangeln kann. Die neuen Schuhe bewähren sich; mit denen kann man fast senkrechte Felswände hochgehen, so gut ist die Reibung. Durch die brettharte Sohle kann man auch auf kleinen Felsspitzen sicher stehen.

Wenn kein Seil zum Halten da ist, nehmen wir die Stöcke für eine bessere Balance, und zum Abstützen. Wir helfen uns meist gegenseitig die Stöcke vor Kletterstellen am Rucksack zu verstauen, damit wir nicht jedes Mal den Rucksack absetzen müssen. Trotzdem verlieren wir dabei jedesmal etwas Zeit. Überhaupt sind wir heute deutlich langsamer unterwegs als gestern, selbst als die anderen Bergsteiger auf der Höhe. Statt der angegebenen 3-4 Stunden brauchen wir weit über 5. Resch flitzt öfter ungeduldig voraus, auch Natascha ist oft hinter den nächsten Wegbiegungen verschwunden. Ich bleibe mit Ronny zurück; wenn ich mich schon einer Gruppentour anschließe, dann will ich von dem Plus an Sicherheit auch etwas haben. Heute ist die Geschwindigkeit ja auch nicht kritisch, eben weil die Etappe relativ kurz ist. Trotzdem, und auch trotz der Übungstouren mit 21kg-Rucksack, tun mir die Füße weh.

Natascha und Ronny an einer kniffligen Kletterstelle.

Suchbild. (Hinweis: Möh!)

An einer Stelle müssen wir auch eine Drahtbrücke über eine kleine Schlucht überqueren. Die Brücke ist mehrfach gesichert, trotzdem schaukelt sie bei 60m Länge ganz schön hin und her. Und tief runter geht es auch noch, und die Drahtnetze sind an einigen Stellen schon aus der Verankerung gerissen...

Es ist immer noch der Glacier de Tre la Tete, hier eine Bruchstelle in der Gletscherzunge. Vermutlich ist unter dem Eis eine steile Stufe im Fels, der der Gletscher nicht folgen kann. Dann bricht das Eis. Solche Stellen sollte man beim Gletschergehen tunlichst meiden...

Die Hütte ist in Sicht! Nur noch wenige Höhenmeter. Und einige kleinere Wasserfälle.

Geschafft! Wir sind auf der Refuge des Conscrits und unter uns fließt der Glacier de Tre la Tete vor sich hin.

Zur besseren Akklimatisierung haben wir zu dritt dann noch einen kleinen Ausflug auf den Grat oberhalb der Hütte unternommen. Ohne Rucksack allerdings, den haben wir in der Hütte gelassen. Etwa 17kg leichter sind wir die Strecke praktisch hochgeflogen. Ronny haben wir an der Hütte zurück gelassen, der hat sich mit seinen uneingelaufenen Schuhen stark die Fersen aufgerieben.

Die Conscrits von oben.

Noch einmal die Conscrits, im Hintergrund sieht man sehr schön die Fließmarkierungen im Gletscher. Während das Eis am Grund vielerorts festgefroren ist, fließt es an der Oberfläche am schnellsten. Die parabelförmigen Spalten zeigen ein fast ideales Profil einer laminaren Strömung.

Im Hintergrund ein schöner dreistufiger Gletscher (immer noch vom Grat aufgenommen), der aussieht, als wären seine drei Becken über Eisfälle verbunden. Man muss schon genau hinschauen...

... um den vierbeinigen Zeitgenossen auf dem Felsen zu erkennen.

Beim Abstieg vom Grat mussten wir wieder Wasserfälle queren, hier ist ein fieses Exemplar mit besonders steilen Seitenrändern.

Der gleiche Wasserfall, talwärts. Hier sollte man nicht ausrutschen...

Weil wir grad beim Ausrutschen sind – beim Aufstieg zum Grat mussten wir über eine recht enge, steile Kletterstelle.

Die Felsen bieten gute Griffmöglichkeiten, aber links geht es steil bergab.

Natascha blieb dort lieber zurück, weil sie sich den Abstieg nicht zugetraut hat. Was keine Schande ist, ich selbst bin auch den Hang nach links abgestiegen, weil man dort fast laufen konnte, statt wieder zurück zu klettern. Dafür war mein Weg ein riesiger Umweg. Um mir hinterher den Wiederaufstieg zu Resch und Natascha zu sparen, bin ich allein bis zur Hütte abgestiegen. Nicht ganz ungefährlich, dafür deutlich entspannter als ein weiterer Anstieg. Nach weiteren Umwegen, zu denen mich die Wasserfälle zwangen, kam ich wohlbehalten an der Hütte an. Resch war schon da, von Natascha fehlte jede Spur. Nach einer halben Stunde fehlte von Natasche immer noch jede Spur, auf Rufen erhielten wir keinen Antwort. Zwischenzeitlich zogen immer mehr Wolken auf, beziehungsweise eher von den Gipfeln zu Hütte herunter. Beim Queren der Wasserfälle ist man schnell mal ausgerutscht, und hinter der Seitenwand hört man auch kein Rufen mehr. Also packte ich mein Erste-Hilfe-Set in eine Tüte, zog den Klettergurt an, und befestigte das Paket am Gurt. Ronny sollte an der Hütte bleiben und bei einem Signal mit der Stirnlampe von mir sofort die Bergwacht rufen. Dann stieg ich mit Resch wieder auf…

Da kam uns Natascha auch schon gemächlich entgegen. Es stellte sich heraus, dass sie, nachdem Resch sie abgehängt hatte, noch weiter aufgestiegen war, bis in die Wolken, um auch besser akklimatisiert zu sein.

Innen der beleuchtete Essensraum, außen die gut besuchte Terrasse. Ohne Jacke hält man es hier nicht lange aus.

Nach anstrengendem Tag endlich Sonnenuntergang.

Der dreistufige Gletscher von vorhin, diesmal von der Hütte aus gesehen. Der rote Streifen ist echt; das ist der letzte Streifen Sonnenlicht auf den Berg, von oben durch die Wolken begrenzt, von unten durch den Berg, an dessen Hang wir stehen.

Zwischen den Wolken.

Das letzte Foto wurde halb 10 aufgenommen. Am nächsten Morgen klingelte der Wecker 3:30 Uhr: Am nächsten Tag sollte es über Gletscher gehen, und das tut man am besten, wenn die Sonne die Schneedecke noch nicht angetaut hat.

¬ geschrieben von Christiane in 2013 Mont Blanc

Tag 1, 16. August 2013

24. August 2013

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Nach einer etwas zu kurzen Nacht in Freiburg haben wir uns gegen 9 auf den Weg gemacht und waren etwa 14 Uhr in La Gruvaz. Dort haben wir nochmal unsere Rucksäcke neu sortiert, was insgesamt nochmal zwei Stunden gedauert hat. Gegen 20 Uhr waren wir auf der ersten Hütte, wo wir von der Hüttenwartin zum Essen gescheucht wurden. Es gab Vorsuppe mit Hüttenkäse, Reis mit Fleischsoße, und Schokokuchen als Nachtisch. Die anschließende Nacht im Schlafsaal war viel zu kurz und aufgeregt; bis zum Frühstück um 7 habe ich etwa 5 Stunden geschlafen.

Letzte Vorbereitungen für die Tour; beim Schneiden der Reepschnüre.

Auf dem Parkplatz in La Gruvaz. Alle sind frisch und gut gelaunt: Resch ganz links, daneben Natascha und ich, und Ronny rechts.

 

Da wollen wir hin. Unsere Theorie: Der Mont Blanc heißt Mont Blanc, weil er immer in weißen Wolken steckt. Im Vordergrund: Die Kirche von Les Contamines.

Die drückende Schwüle des Tals lässt langsam nach und der Weg ist gerade nicht so steinig: kurz vor der ersten Hütte.

Geschafft! Gleich gibt's Abendessen!

Hunger!!!!!

Blick von der Hütte aus etwa 1000m nach unten auf Les Contamines.

Panorama von knapp oberhalb der Hütte, Refuge de Tre la Tete (aufgenommen am nächsten Morgen).

¬ geschrieben von Christiane in 2013 Mont Blanc

Der Plan

24. August 2013

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Vor gut einem Monat, während einer Feier hoch über Manebach, erzählte mir ein Kollege von seiner geplanten Tour auf den Mont Blanc. Gegen den Widerstand von Freunden, Bekannten und erfahrenen Bergsteigern wollte er mit zwei Freunden einen Monat später, im August, den Gipfel des höchsten Bergs der Alpen besteigen. 4810m. Der Plan klang für meine Ohren so absurd, dass ich mich spontan entschloss mitkommen zu wollen.

Die Idee war gewagt, ich würde nur noch einen Monat Vorbereitungszeit haben. In der darauffolgenden Woche lief ich mit besagtem Kollegen (Resch) auf den Kickelhahn. Besser gesagt, er joggte, ich ging größtenteils. Später marschierte ich mit meinem Übungsrucksack, der etwa 21kg auf die Waage brachte, nach oben. Nach einem Monat kam ich mit dem schweren Rucksack recht bequem den Berg hoch.

Nebenher besorgte ich mir noch steigeisenfeste Schuhe, wurde Mitglied im Deutschen Alpenverein, kaufte verschiedene kleinere Ausrüstungsgegenstände wie Teleskopstöcke, eine Regenhaube für den Rucksack, einen Biwacksack, und ein paar Reepschnüre (dünne Seile). Außerdem lieh ich mir aus der Bibliothek einige Bücher über das Bergsteigen aus.

Im Laufe des Monats bis zur Besteigung wechselte die Besetzung der Truppe noch. Einer der beiden Männer, die mitkommen wollten, sprang ab, und statt dessen kam eine weitere Kollegin (Natascha) dazu. Je näher die Tour kam, umso mehr Emails tauschten wir aus, und umso größer wuchs die Vorfreude.

Der Kickelhahn, Hausberg Ilmenaus. Etwa 350 Höhenmeter ist der Turm über Ilmenau.

Die Tour sollte im Tal von Les Contamines beginnen, über 800km von Ilmenau entfernt. Am Nachmittag des 15. August sollte daher Ronny, der vierte Teilnehmer der Tour, von seinem Heimatort bei Dresden aus starten, uns drei Ilmenauer aufsammeln, und mit uns nach Freiburg fahren. Nach einer Übernachtung dort sollte es weitergehen nach La Gruvaz, einem Örtchen mit einem großen Parkplatz etwa zwischen geplantem Anfang und geplantem Ende der Bergtour. La Gruvaz liegt auf etwa 1100m; von dort mussten wir erstmal 100 Höhenmeter absteigen um nach Les Contamines (1000m üNN) zu kommen. Noch am selben Nachmittag wollten wir zu unserer ersten Hütte aufsteigen, der Refuge de Tre la Tete (2000m üNN). Am 17. August wollten wir bis zur Refuge des Conscrits (2600m üNN) steigen, und am 18. August zur Refuge Durier (3400m üNN). Dort wollten wir zwei Nächte bleiben, zum Akklimatisieren, zum Kraft tanken und zum Ausprobieren des schmalen Klettergrates, den wir auf dem Weg zum Gipfel überqueren müssen würde. Der 20. August sollte also der Gipfeltag werden. Anschließend sollte es etwa eintausend Meter über Schnee und Eis abwärts gehen, zur Seilbahn, die uns wieder ins Tal bringen würde. Nach einer Nacht in Chamonix oder im Wald, wollten wir die Strecke nach Ilmenau/Dresden wieder zurück fahren.

Soweit der Plan. Skepsis an der Durchführbarkeit schien angebracht, denn es gab durchaus einige unklare oder unsichere Punkte. So entsprach unsere geplante Aufstiegsgeschwindigkeit ungefähr der empfohlenen Geschwindigkeit, bei der man meist nicht höhenkrank werden sollte. Die Höhenkrankheit äußert sich bei zu schnellem Aufsteigen vor allem durch diffuse Kopfschmerzen, Übelkeit und allgemeinem Elendsgefühl. Recht unspezifisch also, aber wenn man die Symptome ignoriert, kann der niedrige Luftdruck im Hochgebirge dazu führen, dass Körperflüssigkeiten aus dem Gewebe in die Lunge oder in das Gehirn eintreten, was tödlich sein kann.

Nicht höhenkrank zu werden heißt langsam aufzusteigen, so dass sich der Körper an den niedrigen Luftdruck gewöhnen kann. Die Gewöhnung (“Akklimatisierung”) ist aber auch aus einem zweiten Grund notwendig: Weniger Luftdruck heißt weniger Sauerstoff, und weniger Sauerstoff heißt geringere Leistungsfähigkeit. Ohne Eingewöhnung würde uns also einfach die Luft wegbleiben beim Aufstieg. Daher überlegte ich, eine Woche eher in die Region zu fahren und einige Akklimatisierungstouren auf etwa 3000m zu unternehmen. Da die anderen wegen terminlicher Einschränkungen nicht hätten mitkommen können, hätte ich die Touren aber allein machen müssen, wozu mir die Lust fehlte. Also keine weitere Akklimatisierungszeit.

Die nächste Unsicherheit kam durch unsere vergleichsweise geringe Erfahrung. Natascha war noch nie im Hochgebirge, ich habe kaum Klettererfahrung (mit Ausrüstung) und außer mir war noch keiner auf einem Gletscher unterwegs. Ich hatte keine Sorge, dass wir im Sommer heil über die Gletscher kommen würden, aber ich konnte nicht einschätzen, wie lange man angeseilt und mit Steigeisen brauchen würde.

Die kritischste Stelle in unseren Augen war jedoch der Bionnassay-Grat, ein schmaler Grat mit steilen, tief abfallenden Flanken, und zusätzlich eine Stelle, an der wir mit unseren Rucksäcken klettern mussten. Vor allem der Grat ist vielleicht nicht technisch schwierig, aber eine enorme psychische Belastung, da ein kleines Stolpern zum Absturz führen kann. Gute Balance und stoische Ruhe bei schwierigen Stellen bringe ich mit, ich denke, die besten Voraussetzungen für den Grat. Im Zweifelsfall konnte ich mich bisher immer auf mein Urteilsvermögen verlassen, und da ich schon mehr als einen Berg – auch kurz vor der Spitze – aufgegeben habe, traue ich mir durchaus zu, auch kurz vor dem Mont-Blanc-Gipfel die richtige Entscheidung zu treffen.

Meine Prioritäten waren damit klar: An erster Stelle wollte ich auf meinen eigenen zwei Beinen den Berg wieder herunter kommen. An zweiter Stelle wollte ich auf den Gipfel des Mont Blanc, mindestens zur Reguge Durier.

Zwei Tage vor Abreise ging auf dem Mont Blanc eine Lawine in genau dem Gebiet ab, das wir auf dem Weg zur Seilbahn queren würden. Um das Gebiet zu meiden, beschloss Resch kurzerhand, vom Gipfel direkt bis ins Tal abzusteigen, also knapp 4000 Höhenmeter. Eine Entscheidung, die noch während der Fahrt zu Kritik geführt hat, und nur deshalb nicht weiter diskutiert wurde, weil wir überhaupt erstmal sehen wollten, ob wir zum Gipfel kommen, und wie wir uns dann fühlen.

Ein weiterer Kollege leitete uns dann noch eine Email vom DAV (Deutscher Alpenverein) weiter, die uns auf sein Nachfragen hin im Wesentlichen dringend von der Tour abriet. Wir diskutierten, wie wir uns am besten verhalten sollten, wenn ein Gruppenmitglied aus welchem Grund auch immer wieder absteigen muss, denn ein Alleinlaufen auf einem der Gletscher grenzt an Selbstmord, so dass mindestens zwei würden absteigen müssten. Während dieser ganzen Diskussionen, anfangs per Email, kristallisierten sich die Einstellungen der einzelnen Gruppenmitglieder, die den Verlauf der Tour entscheidend beeinflussen würden, schon recht klar heraus: Resch war die treibende Kraft, der für den Gipfelerfolg einiges auf sich nehmen würde wie etwa geschundene Knie vom Abstieg, und wenige Skrupel haben würde die Bergrettung zu Hilfe zu rufen. Natascha war das Erlebnis an sich am wichtigsten, und die rechtzeitige Rückkehr zu einem Termin am 22.8. in Ilmenau. Der Gipfel wäre nett, mehr aber auch nicht. Ronny wollte auf den Gipfel, war sich aber nicht sicher, ob wir nicht an der Refuge Durier aufgeben müssten. Auf jeden Fall bestand er auf den elementarsten Sicherheitsvorkehrungen. Meine Prioritäten hatte ich ja oben schon beschrieben; im Zweifel wollte ich die Situation entscheiden lassen.

Wie sich während der Tour herausstellte, hatte Resch sich etwa ein Jahr lang vorbereitet, seine Kondition mit regelmäßigen Läufen auf den Kickelhahn hoch aufgebaut. Wir drei anderen sind alle recht spontan zu der Gruppe dazu gestoßen, hatten also alle etwa einen Monat Vorbereitungszeit.

Kann es eine solche Truppe auf den Gipfel des Mont Blanc schaffen?
Die Antwort folgt unten; nur eines sei schon gesagt: die Mont-Blanc-Tour war ganz sicher nicht meine letzte Bergtour :)

Resch, ich, Natascha, Ronny. Nach dem Aufstieg zur Refuge des Conscrits.

 

¬ geschrieben von Christiane in 2013 Mont Blanc

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