Fun Atmosphere

9. November 2011

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Die letzten beiden Nächte haben wir wieder die 0°F (-18°C) erreicht, gestern Nacht sogar -14°F (-26°C). Zumindest als ich um Mitternacht nochmal draußen war. Erfahrungsgemäß wird es danach noch deutlich kälter, aber ich versuche gerade, meinen Schlafrhythmus wieder einigermaßen unter Kontrolle zu kriegen und deutlich eher als die letzten Tage aufzuwachen. Im Moment geht die Sonne gegen 9 auf und gegen 4 wieder unter, zumindest laut Berechnung, und ich verschlafe die Hälfte des Tageslichtes. Meine Laune ist im Keller, und ich schlafe deutlich länger als normal. Ich fühle mich aber kerngesund. Der exzessive Schlaf kann natürlich auch daran liegen, dass ich dank der Eisenbahn nicht durchschlafe. Allerdings hatte ich dasselbe Problem in Schweden schonmal – und es hat sich deutlich gebessert, als ich angefangen habe, jede freie Minute, während die Sonne zu sehen war, im Freien zu verbringen.

Praktischerweise ist die Aurora im Moment ohnehin schwach ausgeprägt. Das führt auf der einen Seite dazu, dass man im Moment keine aktiven Lichter am Himmel sieht – aber der Himmel ist trotzdem nicht dunkel. Ich rede nicht vom Mondlicht, oder den Sternen, und auch nicht von der Lichtverschmutzung über Fairbanks. Vielmehr ist der Nordhimmel selten wirklich dunkel, sondern sieht meist so aus, als würde dort gleich die Sonne aufgehen. Der ganze nördliche Horizont hat eine grün-blaue Einfärbung, die im Süden nicht zu sehen ist und sogar die Sterne überstrahlt.

Dazu kam vorletzte Nacht ein Phänomen, das ich in dem Eintrag über Donnelly Dome schon mal beschrieben habe: Lichtsäulen. Ich habe sie noch nie zuvor nachts gesehen, und finde sie ziemlich gespenstisch. Hier mal ein Paradebeispiel:

Das Licht stammt von einer Straßenlaterne, die natürlich auf den Boden leuchtet. Die “Lasershow” oben drüber wird durch Eiskristalle in der eiskalten Luft hervorgerufen, die das Licht reflektieren.

Hier mal eine Aufnahme mit den verursachenden Lichtquellen:

Und hier die selben Laternen aus geringerer Entfernung und mit Überdeckung, um die Säulen besser sehen zu können.

Hier noch ein besonders hübsches Exemplar, in dem der mittlerweile eingesetzte Schneefall glitzert:

Zur Klarstellung: Die eben gezeigten Aufnahmen sind in der Nacht vom 7. auf den 8. November entstanden. In der Gegend bin ich fast jede Nacht unterwegs, jene Nacht war die erste, in der ich die Säulen gesehen habe. Und auch nicht alle Laternen hatten Lichtsäulen, weiter ins Stadtinnere waren keine mehr zu sehen. Anscheinend ist das Phänomen nicht sehr häufig. Aber ein netter Ersatz für die Aurora.

Für die aufmerksamen Leser (und Bildbetrachter) kommt es jetzt zu einer Wiederholung, allerdings war gestern ein wahres Prachtexemplar an Sun dogs zu sehen, riesig und mit mindestens 20 Minuten langandauernd (das ist der letzte Post mit Nebensonnenbild, versprochen). Viel Eis in der Atmosphäre, das führte wohl zu den gehäuften Lichtspielereien in der Atmosphäre. Wer genau hinsieht, kann auch eine sehr seltene Form der Lichtsäule entdecken: unterhalb der Sonne!

Die Nebensonnen verschwanden sehr bald, um kurz vor Sonnenuntergang (etwa anderthalb Stunden später) nochmal aufzutauchen, zumindest die linke.

Auffällig ist, dass sowohl Nebensonne als auch untere Lichtsäule der Sonne (anders als z.B. Regenbogen) nicht am Horizont enden, sondern weit davor.

 

Ich beschwöre, das Lichtgebilde ist kein Ufo, und der Strahl ist kein Scottie-Beam-me-up-Beam, auch wenn es so aussieht ;)

Ich weiß nicht, ob dieses Gebilde einen Namen hat; oberhalb der Sonne haben die Wolken Regenbogenfarben angenommen.

Das folgende Bild zeigt eine seltene Ansicht: Während man den Alaska Range an geschätzt zwei von drei Tagen sehen kann, braucht man für den McKinley schon deutlich bessere Sicht als gewöhnlich, da er noch ein Stückchen weiter südlich ist. Außerdem ist er vom Campus aus gesehen hinter einem Hügel, so dass er von Bodenhöhe aus schwierig zu sehen und fotografieren ist; von meinem Büro im 7. Stock aus kann man ihn gerade so sehen, wenn man sich direkt an die Wand stellt und schräg nach links zum Fenster raussieht. Für das Bild unten bin ich ins Nachbargebäude gegangen, das eine Glasfront Richtung Süden hat. Der McKinley ist der etwas unscheinbare, verschwommene Buckel hinter den Hügelausläufern von rechts.

Trotz Beschwerden (“das sieht ja alles gleich aus, gleich weiß”) hier ein Bild von besagtem Nachbargebäude aus Richtung Museum of the North, rechts das Gebäude der Arctic Health, ganz links das GI und rechts daneben mit dem Rot dahinter die Arctic Biology. Ich krieg von dem Weiß nicht genug!

So, und jetzt noch zu meinem neuesten Experiment. Angeblich kann man bei tiefen Temperaturen Wasser mitten in der Luft gefrieren lassen. Auf Youtube findet man dazu verschiedene Videos, unter anderem dieses hier. Die meisten Videos, die man findet, haben eine deutlich niedrigere Temperatur als wir im Moment haben, aber das heißt ja noch nicht, dass es nicht trotzdem funktioniert.

Wichtig bei diesem Experiment ist, dass das Wasser heiß sein muss. Denn heißes Wasser gefriert schneller als kaltes – wenn man es in die Luft wirft, verdunstet nämlich ein Teil des Wassers. Das bedeutet nicht nur, dass weniger Wasser tatsächlich gefrieren muss, sondern der Verdunstungsprozess entzieht so dem verbleibenden flüssigen Wasser zusätzlich Wärme.

Mein erster (fotografierter) Versuch, bei 0°F:

Ich bitte den unscharfen Hintergrund zu entschuldigen, aber da ich um die Uhrzeit keinen mehr aus dem Schlaf klingeln wollte, habe ich mit der einen Hand das Foto gemacht, während ich mit der anderen das Wasser hochgeworfen habe. Aber man sieht deutlich, dass noch Wasser übrig geblieben ist, welches dann auch in flüssiger Form auf dem Boden gelandet ist.

Zweiter Versuch, bei -14°F:

 

Da sind keine Feuerwerkskörper involviert, versprochen! Alles pures Wasser, nur ein wenig auf dem Herd aufgeheizt. Beim zweiten Versuch der letzten Nacht ist noch etwas mehr Wasser übrig geblieben – ganz klar, den Topf in den Schnee zu stellen ist keine gute Idee, wenn man das Wasser heiß halten will (hat jemand eine dritte Hand übrig?).

Die Überreste des Versuchs. Hat jemand eine Idee, wie die Ringe zustande kommen?

Für heute war’s das erst mal an Spielereien, mit etwas Glück schaffen wir bis nächste Woche noch die -20°F (-29°C), dann probier ich den Wassertrick nochmal. Bis dahin erst mal herzliche Grüße aus der Kälte,

.

 

¬ geschrieben von Christiane in (1) Allgemein

Halloweeeeen!!!

1. November 2011

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Das Fest dürfte bekannt sein, verkleidete Kinder klingeln sich von Haustür zu Haustür und verlangen Süßes (“Trick or Treat”). Wir wurden davon verschont, der Campus ist wohl zu weit weg von den Wohngegenden. Dafür konnte man hier seit Freitag so manche interessante Gestalt herumlaufen sehen. Mütter mit kleinen Kindern hatten eher die harmlosen Verkleidungen, Marienkäfer, Hexen, irgendwas prinzessiges. Die großen Kinder hatten die cooleren Verkleidungen an, von Bauchtänzern über den Avatar-Baum samt Avataren bishin zu Duschkabinen. Oh, und eine ‘holy cow’ gab’s auch, my personal favorite.

Bei den (Haus-)Verzierungen hat eigentlich jeder mitgemacht, ich zeig hier einfach mal meine Favoriten.

Platz 3: Die Hexe ist irgendwie verloren gegangen, aber die flauschige Buckelkatze ist noch da, und passt auf den Monsterkürbismann rechts im Bild auf.

Platz 2: Schon fast zwei Wochen vor Halloween war eines Abends plötzlich dieses Ungetüm aufgetaucht im Museum of the North.

Platz 1: Der coolste Schneemann überhaupt! Headless Pum’kin, mit leuchtenden Augen und hämischem Lachen. Der nach Norden ausgewanderte Bruder des Headless Hessian aus Sleepy Hollow!

¬ geschrieben von Christiane in (1) Allgemein

“Die tiefste je gemessene Temperatur in Fairbanks beträgt -54,4°C. Damit ist sie die siebtkälteste Stadt der Welt.” (dt. Wikipedia)

5. October 2011

2 Kommentare

Fairbanks also, die siebtkälteste Stadt der Welt. Fairbanks, das im Zentrum Alaskas liegt, und die zweitgrößte Stadt eben jenes Bundesstaates ist. Im Süden befinden sich der höchste Berg der USA, der 6000m hohe Mt McKinley, und Anchorage, die mit 300,000 Einwohnern mit Abstand größte Stadt Alaskas. Um genau zu sein, ist Fairbanks zehnmal kleiner als Anchorage, hat aber immerhin einen internationen Flughafen. Im Osten von Fairbanks liegt Kanada, im Westen Russland, auf der gegenüberliegenden Straßenseite quasi. Im Norden kommt nur noch der Polarkreis und dann das arktische Eis. Fairbanks hat den Hauptcampus der University of Alaska und die wiederum unter anderem eine Forschergruppe, die sich mit der Entstehung von Polarlichtern beschäftigt und mich für ein Weilchen aufnimmt. Fairbanks hat zur Wintersonnenwende geschätzt eine Stunde Tageslicht, im Moment sind es aber noch um die 11 Stunden. Überhaupt ist es dort gerade noch recht gemäßigt, die Temperaturen liegen tagsüber bei bis zu + 8°C und nachts bei -4°C. Der Wetterbericht stammt vom 03. Oktober, und die Tendenz ist nach subjektiver Einschätzung seit Wochen streng monoton fallend. Der erste Schnee ist schon überfällig.

Und da will ich hin, für sechseinhalb Wochen.

¬ geschrieben von Christiane in (1) Allgemein

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